Dagpo Kelsang Khedrub

Dagpo Kelsang Khedrub (19. Jahrhundert)

Inthronisiert als Beschützer der Unterweisungen der Gelbmützen, vom Chinesischen Herrscher, dem Dalai Lama und seinem Regenten, hast Du die Absicht entwickelt die Unterweisungen von jetzt an bis zum Buddha Der Anstrebende zu beschützen, gepriesen seist Du!“

Dagpo (dwags po) ist eine Region in Südtibet, in der Gegend von Lhoka, dessen Geschichte im tibetischen Buddhismus weit zurückreicht und zumeist mit dem Kagyü-Orden verbunden ist. Über Dagpo Kelsang Khedrub ist nicht viel bekannt, außer dass er in Pabongkha Rinpoches Werken als ein Linien-Lama genannt wird. Insbesondere wird er im Lamrim und in den Liniengebeten zum Heruka Körpermandala gemäß Ghantapa genannt, in bla rgyud gsol ‘debs sogs kyi skor phyogs gcig tu bsgrigs pa (Band 2, S. 419-464 von Pabongkha Rinpoches Gesammelten Werken).

Trijang Rinpoche schrieb Pabongkha Rinpoches Lamrim Unterweisungen von 1921 nieder, die später als Befreiung in unseren Händen veröffentlicht wurden. In der Erläuterung der südlichen Linie des Lamrim Textes Worte, die aus dem Munde Manjushris empfangen wurden erwähnt Pabongkha Rinpoche, dass diese spezielle Tradition eine lange Geschichte von großen Meistern aus der Region Dagpo habe, die in Verbindung mit der Praxis des Heruka Körpermandala große Resultate erreicht hätten. Diese Meister waren höchstwahrscheinlich Einsiedler, die sich im ländlichen Dagpo aufhielten, isoliert von den Traditionen Lhasas. Somit waren ihre Werke und ihre Leben weniger bekannt, und es war Pabongkha Rinpoche, der sie und ihre südliche Tradition dieses Lamrim, durch seine Verbindung mit Dagpo Jampel Lhundrub (1845-1919)1 bekannt machte. Dagpo Kelsang Khedrub empfing diese Linie von Kelsang Tenzin und Kelsang Khedrub gab sie an Dagpo Jampel Lhundrub weiter, der sie wiederum an Pabongkha Rinpoche gab, wie es in Befreiung in unseren Händen zitiert wird:2

Er gab die Unterweisungen an dem machtvollen Gelehrten Kelsang Khedrub, der auch seine hellsichtigen Fähigkeiten durch die Praxis von Chakrasamvara erlangt hatte. Mein eigener kostbarer Guru, meine Zuflucht und Beschützer, hörte diese Unterweisungen von ihm.

Somit lebte Dagpo Kelsang Khedrub zwei Generationen vor Pabongkha Rinpoche und war ein Guru von Dagpo Jampel Lhundrub, der wiederum einer von Pabongkha Rinpoches Gurus war. Eine weitere Unterscheidung muss gemacht werden, um zu klären, das Tagphu Padmavajra jemand anderes ist als Dagpo Jampel Lhundrub. Tagphu Padmavajra war ebenfalls ein Wurzelguru von Pabongkha Rinpoche und ist in seinem Gebet an die Liniengurus des Heruka Körpermandalas nach Kelsang Khedrub aufgelistet. Tagphu Padmavajra und Kelsang Khedrub spielten wichtige Rollen in der Entwicklung der Dorje Shugden Praxis, die mit Pabongkha Rinpoche ihren Höhepunkt erreichte.3

Bezüglich Dagpo Kelsang Khedrubs Werken, wird ihm in Tibetan Histories (S. 230) eine Sammlung von Biografien von Lehrern des Lamrim (Stufen des Pfades) namens Lho Brgyud Lam-rim-gyi Bla-ma Brgyud-pa’i Rnam-thar zugeschrieben. Der Titel weist darauf hin, dass sie offenkundig für die südliche Linie des Lamrim gilt. Weiterhin listet Lobsang Tamdins Katalog4 für das Shugden be bum ein Werk auf, namens sprul pa’i chos skyong rgyal chen rdo rje shugs ldan rtsal chen po’i bskang ‘phrin sbyor dngos cha tshang dge ldan bstan pa’i dbu ‘phangs stod byed khams gsum zil gyis gnon pa’i dbyangs rnga written by lha sdings rgyal sras bskal bzang bstan ‘dzin mkhas grub. Somit hatte dieser Text bereits seinen Weg in die Mongolei gefunden, als Lobsang Tamdin das Dorje Shugden be bum zusammenstellte und der vollständige Text ist ebenfalls im Shugden be bum veröffentlicht.5

Es ist nicht nur ein ausführliches Erfüllungsritual für Shugden, sondern enthält auch Lobpreisungen an Shugden, die später die Grundlage für Trijang Rinpoches Text Musik, die einen Ozean an Beschützern erfreut bildeten. In seiner Einleitung zu diesem Werk schreibt Trijang Rinpoche:6

Es gibt einen Vers der Lobpreisung seiner drei Geheimnisse, indem seine Realisationen zum Ausdruck gebracht werden, der unter seinen ersten Worten „Pagme Kel Ngon“[Unendliche Äonen] bekannt ist, verfasst von Dagpo Kelsang Khedrub, mit einigen kleinen Ergänzungen von ihm, der in seiner Essenz der alles durchdringende Heruka ist, Vajradhara Pabongkha Dechen Nyingpo. Das Folgende ist ein Kommentar, um jene Lobpreisung leicht verständlich zu machen, und um die Geschichte zu erzählen.

Diese Lobpreisungen, die als Unendliche Äonen bekannt sind, haben in der ursprünglichen Version 19 Verse und beinhalten die Schlüsselelemente von Dorje Shugdens „Entstehungsmythos“.7 Die Originalverse von Dagpo Kelsang Khedrubs Lobpreisungen sagen klar aus, dass Dorje Shugden zuvor Sakya Pandita, Mahasiddha Biwawa, Panchen Sönam Dragpa und Tulku Dragpa Gyaltsen war. Bezüglich Tulku Dragpa Gyaltsen gibt er eine Reihe von Details seiner Lebensgeschichte an, und wie er durch die Kraft seines Bodhichittas in der Form eines dregs erschien (thugs bskyed stobs kyis dregs pa’i yang rjes bzhengs).8 Es wird auch erwähnt, wie versucht wurde ihn mit zornvollen Methoden zu zerstören, wie er von den Sakyas als Beschützer inthronisiert wurde, wie er die Gelug-Schule beschützte, wie er vom chinesischen Herrscher als Beschützer der Gelug-Sekte inthronisiert wurde usw. Dies sind weitere Beweise, dass spätere Meister wie Trijang Rinpoche und Pabongkha Rinpoche sich auf die Werke früherer Meister in ihren historischen Darstellungen verließen.

Dreyfus behauptet, dass Trijang Rinpoches Musik, die einen Ozean an Beschützern erfreut ein Kommentar zu Pabongkhas Lobpreisungen an Dorje Shugden sei.9 Dies ist unkorrekt, da Unendliche Äonen von Dagpo Kelsang Khedrub stammt und von Pabongkha Rinpoche ergänzt wurde, wie auch Trijang Rinpoche selbst sagt. Die Schlüsselelemente, denen gegenüber Dreyfus skeptisch ist, gibt es bereits in den Originalversen von Dagpo Kelsang Khedrub. Dieser Fehler von Dreyfus mag harmlos erscheinen, aber eines seiner Hauptargumente wird dadurch völlig ausgehöhlt, nämlich Pabongkha Rinpoche als alleinigen Erfinder des „Shugden Mythos“ darzustellen, einschließlich der Assoziation von Dorje Shugden mit Tulku Dragpa Gyaltsen. Dies wurde bereits mehrfach in diesem Essay aufgezeigt, aber dieser hier vorliegende Fall ist sicherlich der klarste, denn Dreyfus zitiert Trijang Rinpoches Musik, aber er erkennt nicht die Feststellung in der Einleitung, die Dagpo Kelsang Khedrub als den Verfasser dieser Lobpreisungen würdigt.10 Es ist recht klar, dass Dreyfus das Material welches er anzweifelt – d.h. Musik – nicht versteht. Belegt wird dies durch die obigen Streitpunkte und auch seine Bemerkung, dass „Trijang Rinpoche mehrere Seiten den Erklärungen der Träume widmet, die er von Shugden seit dem Alter von sieben Jahren hatte“.11 In diesem Text erklärt Trijang Rinpoche weder seine eigenen Träume, noch die von Pabongkha; die Träume „vom Alter von sieben Jahren an“ beziehen sich auf diejenigen von Tulku Dragpa Gyaltsen, da sie im Abschnitt mit seiner geheimen Biografie gefunden werden können.

Wie bei vielen anderen Ritualen des 19. Jahrhunderts bezieht sich dieses auf Dorje Shugden als den Beschützer des Eroberers Manjunatha. Dagpo Kelsang Khedrubs Ritual scheint jedoch das erste zu sein, welches Dorje Shugden als Ausstrahlung oder eigentlichen zornvollen Manjushri ansieht.12 Wie zuvor angemerkt, haben frühere Meister festgestellt, dass er eine Ausstrahlung von Vajrapani und Avalokiteshvara ist. Das Kolophon dieses Rituals besagt, dass es im Feuer-Affen (me sprel) Jahr, höchstwahrscheinlich 1896 verfasst wurde. Weiterhin gibt es in diesem Ritual eine kurze Serkyem-Darbringung, die auch einzeln veröffentlicht worden ist.13 In Anbetracht der Wichtigkeit der Heruka Praxis, die mit diesem Meister verbunden ist, verwundert es nicht, dass die Serkyem-Darbringung wie folgt beginnt:

An die Reine Vision des Kronjuwelen-Gelehrten Khedrub Je
Von Manjunatha Tsongkhapa,
Die in fünf verschiedenen Aspekten erscheint,
Die vierundachtzig Mahasiddha Linien-Lamas,
Bringe ich dieses Serkyem dar, welches in Nektar umgewandelt wurde,
Aus berauschenden Substanzen vom Samvarodaya;
Indem ihr dieses annehmt, bitte verbreitet die Lehre für alle Wesen
Und vollendet die Wünsche der Halter der Lehre.

Dieser strukturierte Verse wiederholt sich durch das gesamte Werk an verschiedene Gottheiten. Als nächstes folgt die Darbringung an die drei Yidams: Guhyasamaja, Heruka und Yamantaka. Dann gibt es jeweils einen ganzen Vers für jede der fünf Linien von Dorje Shugden:

  1. Den Dharmabeschützer Dorje Shugden Tsel (chos skyong rgyal chen rdo rje shugs ldan rtsal)
  2. Vairochana Shugden Tsel (rnam snang shugs ldan rtsal)
  3. Rinchen Shugden Tsel (rin chen shugs ldan rtsal)
  4. Padma Shugden Tsel (padma shugs ldan rtsal)
  5. Karma Shugden Tsel (karma shugs ldan rtsal)

Als nächstes setzen sich die strukturierten Verse fort, mit der Darbringung an das verbleibende Gefolge von Dorje Shugden:

  1. Den neun Göttinnen (lha mo dgu po) wird dargebracht, um Fehler der vier Elemente zu reinigen (’byung bzhi’i nyes kun zhi ba’i ‘phrin las)
  2. Den acht Mönchen (dge slong brgyad) wird dargebracht, um die acht Ängste zu befrieden (’jigs brgyad zhi ba’i ‘phrin las)
  3. Den acht Jugendlichen (stag shar bcu) wird dargebracht, um die Resultate der zehn Tugenden zu vergrößern (dge bcu’i ‘bras bu rgyas pa’i ‘phrin las)
  4. Dem Begleiter (las byed pho nya) Khache Marpo, den Sieben Lodernden Brüdern und Tsui Marpo (’bar ba spun bdun gnod sbyin tsi’u dmar po) wird für das Wohl der strahlenden guten Zeichen dargebracht (dge mtshan ‘bar ba’i ‘phrin las).

Bezüglich der obigen Auflistungen (abzüglich Khache Marpo) scheint der Text von Dagpo Kelsang Khedrub der erste zu sein, der sich explizit auf die 32 Gottheiten von Dorje Shugdens Gefolge bezieht. Ob er sie als äquivalent mit den Gottheiten Guhyasamajas ansah ist nicht klar. Aber dies ist das erste Ritual, welches mehr Ausstrahlungen als die fünf Hauptgottheiten auflistet.

Fußnoten

1 TBRC Person RID: P4659.
2 Pabongka Rinpoche (2006), S. 57.
3 Dreyfus (1999), S. 246: Pabongkha Rinpoche “empfing sie von Lehrern wie Ta-bu Pe-ma Baz-ra und Dak-po Kel-zang Kay-drub.” Pabongkha Rinpoche hat mit Sicherheit Unterweisungen vom ersteren Meister erhalten, Tagphu Padmavajra. Allerdings scheint er kein direkter Schüler von Dagpo Kelsang Khedrub gewesen zu sein.
4 Lobsang Tamdin (1975), Band X, S. 404.
5 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 385-415.
6 Musik, die einen Ozean an Beschützern erfreut (Blo bzang ye shes bstan ‘dzin rgya mtsho) (1967), S. 5.
7 Für den Zweck der Debatte als solcher dargestellt.
8 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 404-405.
9 Dreyfus (1999), S. 255. Auch auf S. 256 behauptet Dreyfus, dass das “Gelbe Buch beabsichtigt war, Trijangs Kommentar zu Pabongkhas Lobpreisung von Shugden zu ergänzen“, welches der gleiche Fehler ist, der noch einmal wiederholt wird.
10 Musik, die einen Ozean an Beschützern erfreut (Blo bzang ye shes bstan ‘dzin rgya mtsho) (1967), S. 4.
11 Dreyfus (1999), S. 255.
12 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 391: ngo bo ‘jam dpal gshin rje’i gshed dang dbyer ma mchis pa rnam pa ‘jam mgon bstan bsrung rgyal chen rdo rje shugs ldan rtsal und S. 395 ‘jam dpal sku gsung thugs yon ‘phrin las dngos.
13 ’Jam mgon rgyal ba’i bstan srung rdo rje shugs ldan gyi ’phrin bcol phyogs bsdus bzhugs so. Bylakuppe, India: Ser smad gsung rab ’phrul spar khang (1992), S. 45-48. Auch enthalten in Guru Deva Rinpoche (1984), S. 408-411.

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