Namkha Tenkyong

Namkha Tenkyong (1799-?), Abt des tantrischen Kollegs des Klosters Sera

Vereinigung der Macht und der Fähigkeiten der Eroberer, Herr der Geheimnisse [Vajrapani], Gyalchen Dorje Shugden…“

Namkha Tenkyong [nam mkha’ bstan skyong] wurde 1799 in die Familie ‘phan po shar pa geboren.1 Er trat in jungen Jahren in das Kloster Sera ein. Als er 48 war, ging er nach Ngulchu in Tsang und hörte zahlreiche Unterweisungen zu Füssen von Ngulchu Dharmabhadra (1772-1851) und seinem Neffen Yangchen Drubpäi Dorje (1809-1887).2

Namkha Tenkyong war auch ein Linienhalter mehrerer wichtiger Gelug-Linien, da er in einer Reihe von Gebeten an die Liniengurus im Anschluss an Ngulchu Dharmabhadra und Yangchen Drubpäi Dorje genant wird. Dies beinhaltet die Gelugpa-Mahamudra Linie3 und die Linie der Ermächtigung des Fünf-Gottheiten Heruka.4 Seine Gesammelten Werke beinhalten fünf verschiedene Texte über verschiedene Formen der Praxis des Fünf-Gottheiten Heruka.

Er diente für lange Zeit als Abt des tantrischen Kollegs des Klosters Sera. Im Alter von 68 schrieb er ein Ritual für Sarvavid-Vairochana (kun rig), einen Yidam des Yogatantra.5 In seinen Gesammelten Werken finden sich sieben Texte über die Praxis von Sarvavid-Vairochana. Er fertigte auch eine Zusammenstellung der sechs vorbereitenden Übungen an und schrieb einen Kommentar zu einem bereits existierenden Text über die sechs vorbereitenden Übungen (lam rim sngon ’gro sbyor chos drug gi gsal bar byas pa).6

Namkha Tenkyong hat in seinen Gesammelten Werken ein Ritual an Dorje Shugden namens Der magische schnelle Bote der die vier Handlungen ausführt: eine zusammengefasste Methode der Erfüllung und der Handlungen für den Großen Dharmabeschützer Shugden Dorje Barwa Tsel [shugs ldan ‘bar ba rtsal gyi bskang ‘phrin].7 Es hat eine Länge von sechs Blättern und ist ebenfalls im Dorje Shugden be bum enthalten.8

In diesem Text wird Dorje Shugden in einem unermesslichen Palast auf einem Löwenthron visualisiert. Er hat eine dunkelrote Farbe [dmar se], und hält eine Keule, die mit einem Vajra markiert ist [be con] sowie eine Schlinge. Er besitzt die drei Augen, welche klar die drei Zeiten sehen können [dus gsum gsal las gzigs pa’i spyan gsum ldan].

Hum
Vereinigung der Macht und der Fähigkeiten der Eroberer, Herr der Geheimnisse [Vajrapani],
In der Form eines dregs für das Wohl des Schutzes der Lehre des Eroberers erscheinend,
Gyalchen Dorje Shugden, Lodernde Kraft,
In der Art eines heldenhaften Bodhisattvas, bitte komme hierher.

Mit vielen verschiedenen illusorischen Manifestationen der Weisheit,
Die als ungehinderte, furchterregende Ausdrücke erscheinen,
So wie sich der einzelne Mond unzählige Male in den Gewässern spiegelt,
Bitte komme hierher.

Aus dem folgenden Abschnitt der Lobpreisungen:

Obwohl Du unbeweglich im Dharmakaya verweilst,
Erscheinst Du in der Form des Herrn der dregs;
Vor dem Dharmabeschützer mit magischer Kraft und seinem Gefolge
Verbeuge ich mich und preise Dich mit Körper, Rede und Geist.

Darauf folgen Darbringungen, Bekenntnis, das Erfüllen von Versprechungen [bskang ba] und Bitten, um Schaden abzuwenden [bzlog pa]. Dann folgt die Rezitation des Mantras – in diesem Fall Om Begi Sarva Siddhi Hum – und dann folgt eine Torma-Darbringung. Als nächstes dann weitere Lobpreisungen, einschließlich:

Um die verschiedenen Arten von Feinden abzuwehren
Hast Du Dein Versprechen gegeben, dem fähigen Vater zu folgen,
Großer Beschützer der Jamgon Linie;
Lobpreis an denjenigen, der liebevoll wie ein Vater beschützt.

Du manifestierst Dich mit den fünf Weisheiten aller Eroberer,
Und enthüllst unermessliche Erscheinungen;
Lobpreis an denjenigen, der den Himmelsraum und die Erde erfüllt,
Mit guten Eigenschaften von Körper, Rede und Geist, mit Handlungen, fünf Ausstrahlungen und weiteren Ausstrahlungen.

Darauf folgt das Anvertrauen von Handlungen ['phrin bcol], beginnend mit:

Hum, die keusche Geden Lehre,
Frei von vielen Fehlern,
Klarheit bringend, wie ein reiner Lotos,
Fehlerlos in jeder Hinsicht -
Bitte verbreite [sie] in die zehn Richtungen.

Dann folgt eine Torma-Darbringung und das Serkyem. Das Nächste ist eine Inthronisierung [mnga' gsol]:

Hum, Dorje Shugden, Oberhaupt der dregs,
Gütige Wurzel- und Liniengurus, Yidams,
Unfehlbare Drei Juwelen, Dakas und Dakinis,
Ich inthronisiere Euch als die eigentliche Ansammlung aller Zuflucht.

Das Ritual schließt mit der Aussage des Autors, falls jemand ausführlicheres Bekenntnis, Dankesdarbringungen, Bitten zu Verbleiben und Verabschiedung praktizieren möchte, sollte er oder sie es aus Dorjechang Jetsun Gyatso Thayes Werk entnehmen, welches in Übereinstimmung mit den anderen Beschützern der Riwo Geden Tradition stehe. Im Kolophon schreibt der Autor, dass dieser Text im Jahr 1873 (Wasser-Vogel Jahr) verfasst wurde.

Dieser Text illustriert, dass Dorje Shugden vom Autor als Ausstrahlung Vajrapanis betrachtet wird, so wie es Sera Je Trichen Tenpa Rabgye und andere Lamas des Klosters Sera früher geschrieben haben. Insbesondere der Begriff shugs ldan ‘bar ba rtsal, der in den obigen Versen als „Lodernde Kraft“ übersetzt wurde, ist einzigartig und nicht in anderen Ritualen des Dorje Shugden be bum zu finden. Der Begriff ähnelt dem der tibetischen Gottheit rdo rje ‘bar ba rtsal, für welche der Fünfte Dalai Lama Rituale verfasst hat, die in seinen Gesammelten Werken zu finden sind. Dies ist wahrscheinlich ein weiteres Beispiel dafür, dass verschiedene Gottheiten ähnliche umschreibende Titel haben. Dorje Shugden wird spezifisch mit diesem besonderen Titel an einer anderen Stelle erwähnt, nämlich in einem Antwortbrief von Ngulchu Dharmabhadra.

In Ngulchu Dharmabhadras Gesammelten Werken9 (Band 4, S. 223-516) gibt es eine Zusammenstellung von „gesammelten Antworten an Fragen zu verschiedenen Punkten der Lehre und der Praxis.“ Im Inhaltsverzeichnis (S.220) gibt es einen Eintrag namens dol rgyal dang dga’ ldan lha brgya ma’i skor. Dieser besteht aus einem Brief an zhabs drung rin po che (ein Begriff für eine allgemeine Anrede; leider kann der Adressat nicht identifiziert werden), der anscheinend seine Frage bezüglich einer Torma-Darbringung in der Praxis von Ganden Lha Gyema und Dorje Shugden behandelt. Der Brief beginnt damit, den Empfänger anzusprechen und dann heißt es:

Panchen Sönam Dragpas Reinkarnation Tulku Sönam Dragpa, seine Reinkarnation Tulku Sönam Gelek Pelsang und seine Reinkarnation Shimkhang Tulku Dragpa Gyaltsen sowie die Reinkarnation seines plötzlichen Todes sind als Shugden Dorje Barwa Dragpa oder Dolgyal erschienen.

Ngulchu Dharmabhadra sagt, dass er weder in einer der Schriften gesehen habe und auch nicht von einem Guru gehört habe, dass Dorje Shugden in einer Torma-Darbringung im Ganden Lha Gyema als Lodernder Manjushri erscheint. Stattdessen verweist er den Fragesteller an eine Methode, die in einem Retreatritual [bsnyen yig] von Panchen Lama Yeshe Palden niedergeschrieben wurde, in welcher die Torma-Darbringung an Je Tsongkhapa und seine zwei Schüler [rje yab sras gsum]gemacht wird.

In jedem Fall ist diese kurze Referenz selbst eine historische Momentaufnahme in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die in der Tat die Existenz der Sicht bestätigt, dass Dorje Shugden, Dolgyal und die Reinkarnation von Tulku Dragpa Gyaltsen als die gleiche Wesenheit betrachtet wurden. Georges Dreyfus versucht die Reinkarnation von Tulku Dragpa Gyaltsen von der Shugden/Dolgyal Wesenheit abzukoppeln und besteht darauf, dass dies ein Teil des Shugden-Mythos sei, der später erfunden wurde. Insbesondere behauptet Dreyfus, dass es Pabongkha selbst gewesen sei, der später Dorje Shugden mit Tulku Dragpa Gyaltsen identifizierte, um die Praxis zu legitimieren.10 Diese Identifikation existierte jedoch höchstwahrscheinlich während der gesamten Geschichte dieser Praxis. Ob dies in dem Ausmaß wahr ist oder nicht bedarf weiterer Untersuchung. Aber es beweist mit Sicherheit, das Pabongkha Rinpoche diese Verbindung nicht erfunden hat, und dass diese Identifikation mindestens ein Jahrhundert vor ihm bereits existierte.11 Dies widerlegt einen Aspekt der Anschuldigung, dass Pabongkha den Shugden „Mythos“ als Teil eines persönlichen Planes erfunden habe, weil er vom 13. Dalai Lama schikaniert worden sei.

Schlussendlich, einige haben Zweifel über Ngulchu Dharmabhadra entwickelt, aufgrund eines einzelnen Satzes in seiner Biografie, die von seinem Neffen Yangchen Drubpäi Dorje [dbyangs can grub pa’i rdo rje] verfasst wurde. Auf Blatt 34 heißt es,12 dass ein formloses Wesen Tag und Nacht auf einen Felsen geschlagen hätte, und Lochen Rinpoche sagte, es sei Schaden von Dolgyal und gab den Rat, die Ganden Lha Gyema Schrift zu rezitieren. Eine Interpretation der Bedeutung ist jedoch, dass Dolgyal die Rezitation dieser Praxis mit unkonventionellen Mitteln ermutigte. Die Biografie besagt, dass Ngulchu folglich dieses Gebet auswendig lernte, und natürlich wurde Ngulchu später einer der größten Halter der Ganden-Linie.

Fußnoten

1TBRC Person RID: P276
2 Don rdor and bsTan ’dzin chos grags (1993), S. 890.
3 Willis (1995), S. 109. Er wird aufgelistet als (ser sngags mkhan zur) mKhas-grub bsTan-’dzin-brtson-’grus.
4 Blatt 11b von Pabongkha Rinpoche’s bla brgyud gsol ’debs sogs kyi skor phyogs gcig tu bsgrigs pa bzhugs so.
5 Don rdor and bsTan ’dzin chos grags (1993), S. 890.
6 Dies ist der Kommentar zum Text, der veröffentlicht wurde in Ngag-dbang Chos-‘byor’a Buch Jorcho: Die sechs vorbereitenden Übungen, die Buddhas erhabene Lehre schmücken (1984, 2001). Dharamsala: Library of Tibetan Works & Archives.
7TBRC Work RID: W1GS135531
8 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 371-383.
9TBRC Work RID: W20548
10 Dreyfus (1998), S. 251:
„Pabongkha kannte die Geschichten, die Dragpa Gyaltsens Tod umranken, aber er verstand sie in recht anderer Weise als sie von Zeitgenossen Dragpa Gyaltsens verstanden worden war. Für ihn handelte die Erzählung nicht von Dragpa Gyaltsen, sondern von Shugden, und die Identifikation des Letzteren mit dem Ersteren war ein Weg, um die Verbreitung einer Praxis zu legitimieren, die zuvor nur nebensächlich gewesen war.“
11 Weitere Belege hierfür gibt es an anderer Stelle.
12 de skabs dgon pa’i gling stod du gzugs med pa’i rdo rdeg mkhan nyin mtsan ci rigs su byung bar, tsogs spyi nas lo chen rin po cher brtag zhu mdzad par dol rgyal gyi gnod pa yin pas tsogs ’don du dga’ ldan lha brgya ma btzugs na legs tsul phebs par brten

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