Nyungnä Lama Yeshe Sangpo
Nyungnä Lama Yeshe Sangpo (18. Jahrhundert)
„Durch die bloße Erinnerung an Dich, werden äußere und innere Hindernisse beseitigt.
Fünf Familien von Dorje Shugden, Gewährer der vier Handlungen, ich verbeuge mich vor Euch und Eurem Gefolge.“
Yeshe Sangpo, auch unter dem Sanskrit Namen Jñanabhadra bekannt, wurde meistens als Nyungnä Lama Yeshe Sangpo bezeichnet. Der Ursprung dieses Namens geht auf eine seiner bekanntesten Taten zurück, wie es im Lexikon Weiße Muschel beschrieben wird:
Der Nyungnä Tempel an der Ostgrenze des Shide (einer der vier Liegenschaften der Regenten im Kern des historischen Lhasa) wurde im 18. Jahrhundert von Nyungnä Lama Yeshe Sangpo gegründet, einem Schüler von Tsechog Ling Khachen Yeshe Gyaltsen, einem Yongzin (Wurzel-Guru) des 8. Dalai Lama, Jampel Gyatso. Sein zentrales Objekt der Verehrung ist eine Statue des tausendarmigen Avalokiteshvara mit elf Gesichtern, die ein ganzes Stockwerk hoch ist und aus den acht heilenden Metallen (Gold, Silber, Kupfer, Eisen, Messing und Zink) hergestellt ist. In diesem Tempel mit acht Säulen versammeln sich die Menschen aus Lhasa im vierten tibetischen Monat (Saka Dawa), um der Nyungnä-Tradition zu folgen.1
Zusammengefasst, ist dieser von ihm errichtete Tempel der Praxis von Nyungnä gewidmet, einem Fastenritual in Verbindung mit Avalokiteshvara, dass unter Tibetern sehr beliebt ist.
Zu seiner Biografie:2 er wurde von Yongdzin Yeshe Gyaltsen3 (1713 – 1793) ordiniert – einem Linienhalter der Ganden Ausstrahlungsschrift4 und einem der wichtigsten Gelug Meister des 18. Jahrhunderts – und erhielt von ihm den Ordinationsnamen Yeshe Sangpo. Yongdzin Yeshe Gyaltsen gründete im 18. Jahrhundert das Kloster Tsechog Samten Ling5 südlich von Lhasa.
Yeshe Sangpo studierte Sutra und Tantra, einschließlich der Stufen des Pfades (Lamrim), sowie den Erzeugungs– und Vollendungsstufen von Guhyasamaja, Heruka und Yamantaka unter Yongdzin Yeshe Gyaltsen und seinem Herzschüler Lama Yeshe Tenzin6. Danach lebte er für viele Jahre wie Milarepa in einer Höhle unter Entbehrungen und praktizierte Meditation. Dann kehrte er zurück und ging auf Bitten von Lama Yeshe Tenzin an das Kloster Tsechog Samten Ling und diente dort als Hauptlama. Er gab dort jedes Jahr Unterweisungen über die Stufen des Pfades.
Nachdem er dies viele Jahre lang getan hatte, wurde er von Nyungnä Praktizierenden aus Shide gebeten, dorthin zu kommen. Er blieb dort für einige Jahre und gab an viele Menschen Unterweisungen. Seine geschriebenen Werke umfassen zwei Bände, hauptsächlich über die Stufen des Pfades, Geistesschulung und Mahamudra. Er bewahrte die Gelug-Tradition mit diesen essentiellen Unterweisungen zu einer Zeit (am Ende des 18. Jahrhunderts), als viele große Meister wie Yongdzin Yeshe Gyaltsen, Purchog Ngawang Jampa und Longdol Lama verstorben waren.
Einer der im Westen wohl bekanntesten Berichte über Dorje Shugden ist das Kapitel in René de Nebesky-Wojkowitz’s Klassiker Oracles and Demons of Tibet, Erstveröffentlichung 1956. Weniger bekannt ist, dass das übersetzte Ritual, welches die Hälfte dieses Kapitels7 ausmacht, aus Nyungnä Lamas langem Erfüllungsritual (Kangso) an Dorje Shugden stammt. Der erste Abschnitt der Übersetzung beschreibt Dorje Shugdens Mandala:
Umgeben von einem Schutzkreis aus unzerstörbarem Eisen steht ein großer und weiter gur khang, umgeben von furchterregendem, wildem Feuer, schwarzem Wind und Wirbelwind, die aufeinander folgend dahinfegen.
Als nächstes folgen die furchterregenden Details dieser Umgebung, ganz in der Art derjenigen, die bei anderen zornvollen Gottheiten gefunden werden. Schließlich wird die zentrale Figur beschrieben:
Der Beschützer Herr des königlichen Glaubens, der große König des dgra lha, der „König des Geistes“, der furchterregende Dorje Shugden [rDo rje shugs ldan], dessen Körper von dunkelroter Farbe ist, der grimmig ist wie ein wilder raksasa …
Und sein Gefolge:
Im Osten verweilt die „Körper-Ausstrahlung“ (sku’i sprul pa) Zhi ba’i rgyal chen…
Im Norden verweilt die „Ausstrahlung des Karma“ (’phrin gyi sprul pa) Drag po’i rgyal chen…
Im Süden verweilt die „Ausstrahlung der Erlesenheit“ (yon tan gyi sprul pa) rGyas pa’i rgyal chen…
Im Westen verweilt die „Ausstrahlung der Rede“ (gsung gi sprul pa) dBang ‘dus rgyal chen…
Nebesky-Wojkowitz vergleicht dann die Namen dieser fünf Ausstrahlungen und ihre Ikonografie mit der in Pabongkha Rinpoches mittlerem Kangso (bskang chog ‘bring bo). Anschließend übersetzt Nebesky-Wojkowitz den Abschnitt der Einladung des Erfüllungsrituals,8 der eine Auflistung verschiedener Orte beinhaltet, die allgemein heilig sind, und für Dorje Shugden insbesondere. Die nachstehende Liste nennt einige davon und ergänzt die Zusammenhänge:
- Das Sambhogakaya Reine Land der Buddhas Gandhavyuha (Og min shin [‘og min zhing])
- Der See in dem die Reliquien von Tulku Dragpa Gyaltsen trieben, nachdem sie in den Tsangpo geworfen wurden (Chu mig dkar mo)
- Der Tempel in Sakya, in dem regelmäßig Kangso für Shugden ausgeführt wurde, Sakya Mug Chung [Sa skya rmu chung]
- Ein Altar für Dorje Shugden im Kloster Ngor, Ngor Gyi Tenkha [Ngor gyi rten mkhar]
- Das Gelug-Kloster Riwo Chöling [Ri bo chos gling] im Yarlung-Tal, das für den Khra ‘brug Tempel zuständig war sowie den Trode Khangsar Tempel in Lhasa, der ihm vom 5. Dalai Lama anvertraut worden war.
- Ein Tempel im ‘On-Tal des Yarlung-Tals (‘On gyi gtsug lag khang, siehe der Abschnitt über ‘On Gyalse Rinpoche).
- Ein Kloster in der nähe des Klosters Ganden (bKra shis ljongs).
- Trode Khangsar, der btsan khang für Dorje Shugden, der vom 5. Dalai Lama gegründet wurde und wo das Dorje Shugden Orakel eingeladen wurde (sPro khang bde chen lcog).
- Kha’u brag rdzong ist “wo der Lama Kha’u-pa die Gottheit Mgon-po-zhal-(bzhi) verehrte. Dort gibt es auch eine Höhle namens Mgon-po-zhal-(bzhi), in welcher auf einem Felsen ein von selbst entstandener, weißer, tibetischer Buchstabe A zu finden ist, und wo viele Leute schwarze, dreieckige Steine gefunden haben, die als Dpal Mgon-kyi bla-rdo (d.h. „Lebenskraft-Steine“ von Dpal Mgon) bekannt sind.”9
Diese, und weitere nicht erwähnte Orte, geben einen kleinen Einblick in die Plätze, die als heilig (gnas) erachtet wurden, sowohl im allgemeinen, als auch spezifisch. An einigen dieser Orte gab es Klöster, die sich zu jener Zeit auf Dorje Shugden als Beschützer verließen (im späten 18., Anfang 19. Jahrhundert).
Schließlich fährt René de Nebesky-Wojkowitzs Text damit fort, den Teil des Erfüllungsrituals zu beschreiben, in dem verschiedene Darbringungen an Dorje Shugden und sein Gefolge10 gemacht werden. Die ersten Seiten11 dieses tibetischen Manuskriptes, die von Nebesky-Wojkowitz übersetzt wurden, sind in Wylie Umschrift im Anhang von Oracles and Demons enthalten. Titel und Autor des Textes sind vermerkt und ein Teil des Kolophons ist im Anhang12 als Quelle des Textes übersetzt: ‘jam mgon rgyal ba’i bstan bsrung mthu ldan dgra lha’i rgyal chen yongs kyi gtso bo srid gsum skye ‘gro kun gyi srog bdag sprul pa’i cho skyong rgyal chen rdo rje shugs ldan rab ‘jigs khro bo sku lnga’i sger bskang rgyas pa dga’ ldan bstan srung ldan dgra tshar gcod ma bzhugs so, verfasst von Nyungnä Lama, 21 Seiten insgesamt. Ein Teil des übersetzten Kolophons lautet:13
Dieser Text wurde verfasst und niedergeschrieben vom Lama Jñanabhadra des Nyungnä-Tempel [sMyung gnas lha khang] in Lhasa, auf Bitten des obersten Priesters des Klosters bKra shis chos gling in lHo brag und den Mönchen dieser religiösen Einrichtung, sowie auf Bitten des sde sras bSod nams dpal ‘byor und vieler anderer Verehrer dieses Sung ma. Der mgron gnyer Blo bzang shes rab von sBar kha und dPal ldan don ‘grub von mDo sgar spendeten das Geld für die Herstellung der hölzernen Druckstöcke.
Dies illustriert auch, dass die Praxis zu dieser Zeit in Südtibet und anderswo recht populär geworden war. Im späten 19. Jahrhundert war dieser Text in die Mongolei gebracht worden, da er in Lobsang Tamdins Katalog (dkar chag)14 des Dorje Shugden be bum gefunden werden kann. Dieser Text kann somit nicht als obskur bezeichnet werden, was weiter bestätigt wird durch das Reisetagebuch von Nebesky-Wojkowitz, Where the Gods are Mountains, 15 in welchem er ein ganzes Kapitel einer Beschreibung widmet, wie dieser Text in einem Kloster unter der Leitung von Dhardo Rinpoche ausgeführt wird. In Anbetracht der Tatsache, dass dies in den 1950er geschah, also ganz klar nach der Einflusszeit von Pabongkha Rinpoche, zeigt dies auch, dass Pabongkha Rinpoches Text nicht zwangsläufig alle vorher existierenden Rituale ersetzte, die in Ritualzyklen verwendet wurden.
Eine Veröffentlichung des vollständigen Textes ist im Dorje Shugden be bum16 enthalten. Ein Hinweise auf seine Existenz ist auch im Asian Classics Release IV zu finden; in den Fußnoten gibt es einen Katalog (R0020):
Viele große Werke verschiedener Meister aller Traditionen des indischen und tibetischen Buddhismus, beginnend mit dem kostbaren Kangyur und Tengyur, zu finden im Puntsok Rabten Tempel auf dem religiösen Anwesen von Kyabje Trijang Rinpoche.
Dies wird dem früheren Assistenten von Trijang Rinpoche, Kungo Palden, zugeschrieben. Darin ist ein von Nyungnä Lama verfasster Text aufgeführt, namens rdo rje shugs ldan gyi bskang chog sdang dgra tsar gcod, welches der Kurztitel dieses Textes ist. Weiterhin ist er unter dem obigen vollen Titel „Verehrung des Beschützers Dorje Shugden [Rdo-rje-shugs-ldan]“ von Nyungnä Lama Yeshe Sangpo [Smyung-gnas-bla-ma Ye-shes-bzang-po], in Tibetan Texts in the Bihar Research Society von David Jackson katalogisiert17
Bei einer Nachuntersuchung der tibetischen Originalversion dieses Textes (das meiste davon ist im Anhang von Nebesky-Wojkowitz’ Buch zu finden), fallen eine Reihe von bemerkenswerten Dingen auf: die neu geprägte Terminologie und die verwendeten Titel, die erste Verwendung des langen Dorje Shugden Mantras, welches später in die Werke von Serkong Dorjechang und Pabongkha Rinpoche aufgenommen wurde, und die ausführliche Beschreibung des Mandalas von Dorje Shugden, mit den im Kolophon vermerkten Implikationen. Hinsichtlich des ersten Punktes, weist die Terminologie recht ausdrücklich auf eine Erhöhung des Status von Dorje Shugden hin. Hier finden wir die erste Verwendung einer Reihe von Titeln, die später in anderen Ritualen des 19. Jahrhunderts und besonders des 20. Jahrhunderts allgemein gebraucht wurden. Dies beinhaltet die folgenden, aus dem Titel des oben genannten Rituals:
- Dharma-Beschützer des Eroberers Manjunatha (Jamgon Gyalwai Ten sung ['jam mgon rgyal ba'i bstan srung]), wobei sich Eroberer Manjunatha auf Je Tsongkhapa bezieht.
- Herr aller Könige der machtvollen zornvollen Götter (mthu ldan dgra lha’i rgyal chen yongs kyi gtso bo)
- Lebensbesitzer aller Wesen der drei Welten (srid gsum skye ‘gro kun gyi srog bdag)
- Der ausgestrahlte Dharma-Beschützer Dorje Shugden (sprul pa’i chos skyong rgyal chen rdo rje shugs ldan)
Ein weiterer wichtiger Titel kann im gesamten Ritual selbst gefunden werden:18 Fünf Familien von Dorje Shugden Tsel [rdo rje shugs ldan rtsal rigs lnga]. Dieses weist auf die Hauptgottheit hin, die von den vier Ausstrahlungen umgeben ist; der Titel verwendet auch Ku nga [sku lnga], um darauf hinzuweisen. Ähnlich bezieht sich Gyalchen Rig nga [rgyal chen rigs lnga] auf die fünf Klassen von Shugden und wurde scheinbar von Sachen Kunga Lodro geprägt.
Im Text selbst gibt es viele Variationen dieser Titel. Und natürlich verwenden auch viele spätere Shugden-Texte diese Titel in vielen Variationen. In jedem Fall findet sich die Genese dieser erhabenen Titel in diesem Ritual, welches von Nyungnä Lama verfasst wurde. Dies steht in scharfem Kontrast zur Behauptung von Dreyfus, dass es Pabongkha Rinpoche und seine Anhänger waren, die diese Titel geschaffen und verbreitet haben.19 Zwar liegt Dreyfus richtig mit der Annahme, dass diese Titel die Verwandlung Dorje Shugdens in ein zentrales Element der Gelug-Sekte illustrieren, begann diese Wandlung jedoch ganz klar zur Zeit von Nyungnä Lama. Insbesondere der Titel Jamgon Tensung ['jam-mgon bsTan-bsrung] wurde gelegentlich für den Beschützer Chökyi Gyalpo [Chos-kyi rGyal-po]20 verwendet, auch bekannt als Dharmaraja oder Dharma-König, welcher der Hauptbeschützer der Gelugpa war, da er von Je Tsongkhapa selbst verpflichtet wurde. Dorje Shugden ist jedoch der erste Beschützer, der allgemein mit dem Titel Beschützer des zweiten Eroberers Manjunatha bezeichnet wurde.
Solche Titel wurden in ihrer Verwendung durch spätere Lamas wie Rongchen Kirti Lobsang Trinley und Serkong Dorjechang (1856-1918) bestätigt. Um die Behauptung von Dreyfus weiter einzuschätzen, stellt sich die Frage, ob diese Ernennung lediglich ein Titel war, oder ob sie durch eine größere Rolle oder Aufgabe bekräftigt wurde? Es gibt hier mehrere Gesichtspunkte, um diese Frage zu beantworten. Die weitere Untersuchung des Rituals und seines Kolophons enthüllen weitere einzigartige Details.
Das Kolophon dieses Rituals21 besagt, dass Dorje Shugden in das Orakel (khog phebs) eintrat, als der Autor Nyungnä Lama im Trode Khangsar Tempel [lha ldan spro khang] war, und wiederholt forderte, dass er sofort eine Torma-Darbringung gemäß der zornvollen überweltlichen Form (‘jigs rten las ‘das pa’i rang chog) zusammenstelle, ein ausführliches Erfüllungsritual an die fünf Formen Ku nga [sku lnga]. Dies zeigt klar, dass dieses Ritual beabsichtigt ist, die Form von denen anderer überweltlicher Dharma-Beschützer, wie Dharmaraja, dem Hauptbeschützer des Gelug-Ordens, zu haben. Um zum Hauptbeschützer von Je Tsongkhapas Lehre erhoben zu werden war solch ein System der Verehrung notwendig.
Auch die allgemeinen Bedeutungen, die im gesamten Text gefunden werden, wie in Lobpreisungen und Bitten, weisen klar auf die Aufgabe von Shugden als Beschützer der Lehrer Tsongkhapas hin. Beispielsweise „beschütze den Buddhadharma im allgemeinen und insbesondere die Sutra- und Tantra-Unterweisungen von Manjunatha Dharmaraja Je Tsongkhapa.“22 Dieses Konzept findet sich auch eingebettet in die Ikonografie der Hauptfigur Dorje Shugden in Nebesky-Wojkowitz’ Übersetzung:23
Das gelblich-braune Haar auf seinem Kopf ist aufgerichtet und in der Mitte über ihm, auf einem Sonnenmandala, verweilt der Beschützer-Herr und König des Dharmas, der große Tsongkhapa, mit einem milden Ausdruck.
Weiterhin ist seine überweltliche Form äußerst zornvoll, wie Dharmaraja. Es gibt keinen Mangel an zornvollen Ausdrücken in den Bitten dieses Rituals. Dieses Ritual beinhaltet Bitten wie: „Alle jene, die der Lehre Manjunatha’s schaden auszulöschen“ (‘jam mgon bstan la gnod byed tshar gcod mdzod). Der Zorn selbst steht in Verbindung mit dem Schutz der Tradition Je Tsongkhapas. Dieses findet sich ebenfalls in der Einladung in Nebesky-Wojkowitz’ Übersetzung:24
Der Herr der Religion, der alle Übeltäter zerstört, die Feinde der religiösen Regeln und alle behindernden Dämonen, der fähig ist, vollständige Konzentration des Geistes zu erlangen, der Beschützer-Herr des treuen Gefolges, der große König des dgra lha, der „König des Geistes“, der furchterregende Dorje Shugden [rDo rje shugs ldan].
Es gibt hier zwei weitere einflussreiche Dinge, die kurz erwähnt werden müssen, und die scheinbar in diesem Ritual ihren Ursprung haben. Das erste ist das lange Mantra von Dorje Shugden, welches im gesamten Ritual verwendet wird. Zweitens gibt es eine sehr beliebte kurze Lobpreisung an Dorje Shugden, die einen Vers umfasst:25
Durch die bloße Erinnerung an dich,
Werden äußere und innere Hindernisse beseitigt,
Gewährer der vier Handlungen, Dorje Shugdens fünf Familien,
Ich verbeuge mich vor Euch und Euren Gefolgen.
In Anbetracht all dieser Punkte, wird die Behauptung von Dreyfus über eine angebliche Wiederbelebung unter der Führung von Pabongkha Rinpoche in Frage gestellt. Statt dessen wird im 19. Jahrhundert durch diesen Autor und diesen Text, direkt oder indirekt, die Ära von Dorje Shugden als Gelug-Beschützer unter diesen neuen Titeln und Rollen eingeleitet, die dann tatsächlich als solches in ganz Zentraltibet, Amdo, Kham und der Mongolei Verbreitung fanden. Außerdem, in Widerspruch zu Dreyfus’ Behauptung,26 beinhaltete die Erhöhung von Dorje Shugden nicht zwangsläufig die Ersetzung der existierenden Gelug-Beschützer, wie Dharmaraja, in ihren jeweiligen Ritualzyklen. Selbst Pabongkha Rinpoche hat Dharmaraja im Vajrabhairava Zyklus27 und denen anderer Yidams und ihrer jeweiligen Weisheitsbeschützer nicht durch Dorje Shugden ersetzt.
Ein weiteres kurzes Ritual von Nyungnä Lama heißt chos kyong rgyal chen rdo rje shugs ldan la ‘phrin bcol mthu stobs drag rtsal gnam lcags thog ‘bebs. Die Titel beider Rituale beziehen sich auf Zorn für den Zweck der Vertreibung von Feinden des Dharmas, Frieden und Harmonie, wie es im Ersteren durch sdang dgra tsar gcod angedeutet wurde, und im Letzteren durch drag rtsal gnam lcags (wörtlich: „zornvoller Donner“, etwas, dass so kraftvoll ist, dass es unerträglich ist). Hier ist ein kleiner Teil von Nyungnä Lamas Werk über Dorje Shugden, entnommen aus chos kyong rgyal chen rdo rje shugs ldan la ‘phrin bcol mthu stobs drag rtsal gnam lcags thog ‘bebs.28
Hum
Lamas, Yidams, Helden,
Dakinis, schwurgebundene Beschützer,
Insbesondere Dorje Shugden Tsel
Und Dein Gefolge, bitte vergiss [mich] hier nicht,
Um mühelos die Ziele zu erlangen,
Alle Hoffnungen von mir selbst, dem Yogi,
Den heiligen Dharma zu vollenden,
So, wie es erbeten wird.
Wenn glückliche, vertrauensvolle Wesen,
Augenblicklich von Dir versammelt werden,
Besiege die [Hindernisse] der Yogis
Und vollende außergewöhnliche Ziele.
Und jegliches resultierende Glück,
Die Vergnügen von Körper, Rede und Geist,
Stelle ich mit Hingabe in Deinen Dienst,
So, wie es angeordnet wurde,
Ohne auch nur einen Moment eine Übertretung zu begehen,
Verwende ich meinen Körper um zu dienen,
Akzeptiere, was immer gesagt wird,
Sehe Dich als einen Buddha an,
Bleibe mir nah,
Für reine Disziplin und Hingabe,
Vermehre Lebensspanne,
Verdienste und Ausstattungen,
Von allen gepriesen,
Fromm lebend, ohne Stolz,
Bitte führe Handlungen aus,
Um alle Ziele mühelos zu vollenden.
Fußnoten
1 Dung dkar blo bzang ‘phrin las (2002), S. 1798.
2 Blo bzang ye shes bstan ‘dzin rgya mtsho (1967), S. 122-125.
In Trijang Rinpoches Text über Dorje Shugden Music Delighting the Ocean of Protectors – sein Kommentar zu Dagpo Kelsang Khedrup’s Glückliche Äonen – vermerkt er, dass sich einer der Verse auf Nyungnä Lama Yeshe Sangpo bezieht. Insbesondere rechnet er ihm das Verdienst an, dass er ein Guru war, der die Lamrim-Tradition für Laien und Ordinierte bewahrte, zu einer Zeit nachdem die großen Meister des 18. Jahrhunderts gerade verstorben waren. Weiterhin behauptet er, dass dieser Lama eine Ausstrahlung von Dorje Shugden selbst gewesen ist. Es mag ironisch klingen, dass eine Ausstrahlung von Dorje Shugden Rituale über Dorje Shugden verfasst. Aber dies ist nicht ungewöhnlich, wenn man bedenkt, dass Je Tsongkhapa eine Ausstrahlung von Manjushri war, aber dennoch Manjushris Unterweisungen durch eine direkte Vision erhielt. Ähnlich waren viele große Meister Ausstrahlungen, aber beschritten die gewöhnlichen Pfade und führten die Yogas der Meditationsgottheiten wie jeder andere aus.
3TBRC Person RID: P105
4 Willis (1995), S. 161-162.
5TBRC Person RID: G157
6TBRC Person RID: P1115
7 Nebesky-Wojkowitz (1956), S. 136-139, 140-142.
8 Nebesky-Wojkowitz (1956), S. 140-142.
9 Wylie (1962), S. 67-68.
10 Nebesky-Wojkowitz (1956), S. 142-143.
11 Folios 2a-6a S. 565-568.
12 Nebesky-Wojkowitz (1956), S. 584.
13 Nebesky-Wojkowitz (1956), S. 584.
14 Lobsang Tamdin (1975), volume X, S. 403.
15 Nebesky-Wojkowitz (1956). Where the Gods are Mountains: Three Years Among the People of the Himalayas. Published by Weidenfeld and Nicolson.
16 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 319-360. Dies ist ein vollständiges Ritual von Nyungnä Lama.
17 Jackson, David (1989). The “miscellaneous series” of Tibetan Texts in the Bihar Research Society, Patna: A Handlist, p. 97. Bihar Research Society. Veröffentlicht von Steiner Verlag, Wiesbaden.
18 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 320.
19 Dreyfus (1998), S. 247.
20 Siehe Jigme Samten (1814-1881), ‘jam mgon bstan srung chos kyi rgyal po’i ‘phrin bcol las bzhi lhun grub dang de’i bsnyen pa gtong tshul sogs, TBRC Work RID: W5403.
21 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 358.
22 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 340.
23 Nebesky-Wojkowitz (1956), S. 138.
24 Nebesky-Wojkowitz (1956), S. 137.
25 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 332.
26 Dreyfus (1998), S. 247.
27 Meditation on Vajrabhairava (2002). Translated by Richard Guard and Sherpa Tulku. Paljor Publications.
28 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 361-365.
