Rongchen Kirti Lobsang Trinley
Rongchen Kirti Lobsang Trinley (1849-1904)
„Gyalchen Dorje Shugden, der besondere ausgestrahlte Beschützer der Lehre des zweiten Buddhas Manjunatha…“
Die achte Kirti Rinpoche1 Inkarnation stammt aus der Region Amdo im Nordosten Tibets. Gemäß Various People, wurde er 1849 südlich vom Kokonor-See geboren. Als er fünf Jahre alt war, erkannte ihn die dritte Inkarnation von Kunkyen Jamyang Shaypa [’Jam dbyangs bzhad pa] als die Reinkarnation von Rongpo Chöje und gab ihm den Namen Lobsang Trinley Tenpa Gyatso.
Er empfing Ordination von Je Konchog Monlam als er sieben Jahre alt war und erhielt die Getsul Ordination von ihm im Alter von acht Jahren. Drei Jahre später begann er die fünf klassischen Texte zu Füßen vieler Meister zu studieren und erlangte Ausgezeichnetheit. Als er 24 war, erhielt er die volle Ordination eines Gelong-Mönches (bsnyen rdzogs kyi sdom pa) an seinem eigenen klösterlichen Sitz. Als er 25 war, errichtete er ein neues Kloster in rNga ba und blieb dort. Er besuchte die meisten Klöster in Amdo und auch einige in der Mongolei. Er errichtete ebenfalls eine Hochschule für Debatte und tantrische Unterweisungen. Als er 56 war, im Holz-Drachen Jahr (1904), verstarb er in seinem eigenen Kloster stag tshang lha mo. Seine geschriebenen Werke umfassen 12 Bände.2
Wie oben erwähnt, hat der Achte Kirti Rinpoche eine Reihe von neuen Klöstern und Kollegs gegründet. Weitere Information wird aus dem Inventar seiner Gesammelten Werke ersichtlich, welche die Satzungen für diese Institutionen beinhaltet. Zum Beispiel aus Band 6:
- Tagtsang Lhamo Tantrisches Kolleg – stag tshang lha mo’i rgyud pa grwa tshang gi bca’ yig nor bu’i phreng ba
- Tagtsang Geden Tashi Khyil – stag tshang dpal gyi lha mo dge ldan bkra shis ’khyil gyi bca’ yig – verfasst im Erd-Hase Jahr (1879)
- Tagtsang Lhamo Loseling Kolleg – stag tshang lha mo’i mtshan nyid grwa tshang blo gsal gling gi rtsod grwa’i bca’ yig blo gsal dga’ ston – verfasst im Holz-Vogel Jahr (1885)
- ma dgon gyi bca’ yig – verfasst im Holz-Hund Jahr (1874)
- Ngaba Monastery – rnga pa’i dgon gsar gyi bca’ yig
- tsho bdun bca’ yig – verfasst im Holz-Hund Jahr (1874)
- dben gnas bkra shis dge ’phel gling gi bca’ yig mdor bsdus
- Ein Buchverlag – par brkon bca’ yig – verfasst im Holz-Pferd Jahr (1894)
Die ersten drei sind Institutionen, die am klösterlichen Sitz Tagtsang Lhamo von Kirti Rinpoche eingerichtet wurden. Die erste ist eine tantrische Hochschule und die dritte ist eine Schule für Debatte, die in der Hinsicht auf Drepung Loseling basiert, als dass sie seinem Curriculum und Texten [yig cha] folgt. Letzteres wird unten ausführlicher erklärt.
Dan Wilson untersucht in der Tibetan and Himalayan Digital Library’s literary collection ein Inhaltsverzeichnis [dkar chag] für einen Stupa bei einem Kloster in rNgaba, das von Kirti Rinpoche gegründet wurde:
Das Kloster dGe ldan legs bshad gling wurde 1870 von Kirti Rinpoche Blo bzang ’phrin las bstan pa rgya mtsho neu gegründet, auf Bitten eines örtlichen Barons namens rMe’u Sa dbang chen po. Dieser Lehrer war während seiner Zeit recht berühmt.
Und:
Kurz nach der Gründung des Klosters errichtete Kirti Rinpoche einen Chörten (Stupa) namens „Bedeutsame Vision“. Er verfasste einen dkar chag für diesen Chörten mit nicht weniger als 108 Blättern (was eine beträchtliche Länge ist).3
Seine biografischen Daten bestätigen dies ebenfalls4 und fügen weiteres hinzu: „ein berühmter Lehrer der Gelug-Tradition, der mit kir ti dgon chen verbunden ist“ und „Autor eines hoch berühmten sung ‘bum in 12 großen Bänden: ka-da und ithi.“ Seine Gesammelten Werke5 wurden von Tala Tulku veröffentlicht, als „Nr. 25 in der ersten Reihe des Bod brgyud nang bstan dpyad gzhi yig rigs – Historische Materialien des tibetischen Buddhismus, veröffentlicht von Krung go’i Then cin Dpe rnying Dpar skrun Khang.“
Seine Gesammelten Werke enthalten eine Reihe von Ritualen für verschiedene Beschützer, einschließlich einer Lebenshingabe (srog gtad) für Setrabchen und Nechung. Weiterhin gibt es Rituale für Karma Vajra, Tshang pa und von besonderem Interesse ist hier ein Einweihungshandbuch für Dorje Shugden. Dieses trägt den Namen rdo rje shugs ldan gyi rjes gnang byed tshul.6 Es stellt Dorje Shugden in der einzigartigen Gelug-Wortwahl vor:
Dies ist die Methode für die Einweihung (Jenang [rje gnang]) für Gyalchen Dorje Shugden, den besonderen ausgestrahlten Beschützer der Lehre des zweiten Buddha Manjunatha (’dir ’jam mgon rgyal ba gnyis pa’i bstan srung khyad par can sprul pa’i chos skyong rgyal chen rdo rje shugs ldan gyi rjes gnang bya ba’i tshul la).
Ein Jenang wird im allgemeinen als Einweihung bezeichnet, obwohl es wörtlich übersetzt nachfolgende Erlaubnis heißt. Es ist eine sehr viel kürzere Zeremonie als die vollen Einweihungen (Wang [dbang]), die für verschiedene Yidams gegeben werden. Die meisten Beschützer haben ihre eigene Jenang und keine volle Einweihung (dbang). Der Text fährt damit fort, Details dafür zu geben, wo sie durchgeführt werden sollte, über das Arrangement, besondere benötigte Materialien sowie die vorbereitenden Übungen. Wie bei anderen Jenang sind die wesentlichen Teile die Einweihungen von Körper, Rede und Geist. Daran folgt eine Lebenskraft-Einweihung (srog dbang), welche mit ihren eigenen, spezifischen Verpflichtungen verbunden ist.
Eine Beschreibung der Quelle und des späteren Verbleibes dieser Jenang findet sich in Die Quelle der Dorje Shugden Tsel Einweihung (Jenang), des mongolischen Gelehrten Lobsang Tayang (1867-1937) in Some Historical Accounts of the Secret Activities of Lamas, Gods and Protectors.7 Zuvor haben Ngagrampa Dorjechang vom Kloster Khure in der Mongolei, Chöje Loringpa und andere nach einer Dorje Shugden Einweihung gesucht, und obwohl sie viele gelehrte tibetische und mongolische Meister befragten, antworteten die meisten, dass sie nicht davon gehört hatten, dass solch eine Einweihung in Tibet existierte. Ein Lama aus Amdo sagte jedoch: „In meiner Heimat stag tshang lha mo gibt es eine Einweihung.“
Eine frühere Inkarnation von Kyabgon Kirti Rinpoche reiste nach Lhasa. Um eine Loseling Hochschule an seinem eigenen Kloster einzurichten ersuchte er Gyalchen Shugden, der sehr erfreut war und ihm eine detaillierte, klare Erläuterung gab, [was zu tun war] und das Versprechen gab: „In der nahen Zukunft werde ich zu jener Hochschule kommen, um es zu beschützen.“ Später tauchte eines Tages am Zaun, der das Kloster Kirti umgab, ein Hirte mit dunkler Hautfarbe auf, der ein wildes Pferd ritt. Sowohl der Hirte als auch das Pferd machten exzentrische Gebärden, als sie den Weg um das Kloster herum rasten. Die Mönche fürchteten sich und ersuchten sofort die Hilfe von Kirti Rinpoche, der augenblicklich zum Kloster kam und sagte: „Es geschieht so, wie es zuvor gesagt wurde, Gyalchen Shugden ist gekommen, um unser Kloster zu beschützen.“ Er führte die Zeremonie der Verbindung in der Gegenwart heiliger Objekte und des Mandalas aus; er war glücklich und erläuterte klar, was früher geschehen war. Er gab dem Vajracharya und den Mönchen die Einweihung, ritt dann schnell auf seinem Pferd fort und verschwand nahe einem Felsen. Sie errichteten an genau jenem Ort einen btsan khang, wo auch heute noch Darbringungen und Gebete ausgeführt werden.
Später ersuchte der Autor dieses Berichtes (Lobsang Tayang) Ngagrampa Bakshi, der ihm auftrug, zu versuchen die Jenang zu bringen sowie ein be bum zusammenzustellen, für den Zweck, die Dorje Shugden Praxis zu verbreiten. Ein Lama aus Amdo namens stag tshang lha mo Vajracharya Chogtrul war zuvor viele Male in das Land des Autors gekommen. Da er eine starke Dharma-Verbindung mit ihm hatte, bat er ihn, zu versuchen die Dorje Shugden Jenang zu finden, die in Kirti Rinpoches Kloster stag tshang lha mo existierte. Als er zurückkehrte erfuhr der Vajracharya Chogtrul, dass der frühere Kirti Rinpoche dieses Ritual der Dorje Shugden Einweihung schrieb, als er dem Tod nahe war. Zu jener Zeit gewährte Kirti Rinpoche die Einweihung an Alag Chöjor und sagte ihm, dass er auf keinen Fall die Fortsetzung der Linie brechen solle.
Der Vajracharya wiederum ersuchte Alag selbst mit Lobsang Tayangs Zeremonie des Anvertrauens und erbat die Jenang. Vajracharya gab die Jenang an seinem eigenen Kloster an über 30 Mönche. Dann kam der Vajracharya wieder an das eigene Kloster des Autors und gab die erbetene Einweihung an 21 Studenten, in drei Gruppen von jeweils sieben. Somit endet dieser Bericht, der von Lobsang Tayang geschrieben wurde.
Wie oben erwähnt wurde die Satzung des stag tshang lha mo Loseling Kollegs 1885 geschrieben, was die anfängliche Übertragung der Einweihung mit großer Wahrscheinlichkeit in den 1880er Jahren vermuten lässt. Band „Ga“ von Rongchen Kirtis Gesammelten Werken enthält Lobpreisungen an Panchen Sönam Dragpa (paN chen bsod nams grags pa la bstod pa mkhas pa’i mgrin rgyan), die auf Bitten des Abtes dieses Loseling Kollegs verfasst wurden. Weiterhin, als Rongchen Kirti die Führung von Dorje Shugden ersuchte, muss er die Verbindung zwischen dieser Gottheit und Panchen Sönam Dragpa erkannt haben. Panchen Sönam Dragpas Lehrplan (yig cha) ist das Herz von Loselings Curriculum. Dies stellt die Annahme von Dreyfus in Frage, dass die Gelug-Sekte Shugden auf der Grundlage seiner Kraft als weltliche Gottheit annahm und nicht auf der Grundlage seiner Verbindung mit der Linie von Panchen Sönam Dragpa.8 Außerdem war die Verbreitung von Gelug-Klöstern und Kollegs in der Mongolei, gemäß Some Historical Accounts of the Secret Activities of Lamas, Gods and Protectors, scheinbar durch die Konsultation von Orakeln wie Setrapchen und Dorje Shugden geleitet. Gemäß diesen Berichten war das Befolgen eines spezifischen Curriculums (yig cha), insbesondere dem von Panchen Sönam Dragpa, ein weiterer wichtiger Faktor in der Errichtung neuer Klöster.
Dies ist eine Tradition der Dorje Shugden Einweihung, die ihre Ursprünge früher und getrennt von derjenigen Pabongkha Rinpoches und Tagphu Dorjechangs hat, die sich später entwickelte. Obwohl das Verlassen auf Dorje Shugden klar eine Verbreitung von Zentraltibet aus ist, ist diese Einweihung auch eine Innovation, die außerhalb von Zentraltibet geschaffen wurde und sich später in die Mongolei verbreitete. Dies erklärt wahrscheinlich, weshalb sie derart übersehen wurde, denn verglichen mit denen aus Zentraltibet, wurden diese Werke in jüngster Zeit nicht ausführlich studiert.
Wie von Dreyfus angemerkt, trifft dies mit der Verbreitung der Praxis im späten 19. Jahrhundert zusammen.9 Aber sollte der Status von Dorje Shugden zur Zeit dieser Verbreitung als der einer lediglich geringen Gottheit der Gelug angesehen werden, so wie es Dreyfus annimmt? Die Einweihung selbst sowie die verwendeten Titel zeigen, dass der Status von Dorje Shugden zu jener Zeit jenseits von dem eines geringen weltlichen Beschützers erhoben war. Dies ist mit Sicherheit der Fall, da das Einweihungshandbuch den Begriff „besonderer ausgestrahlter Beschützer der Lehre des zweiten Eroberers Manjunatha“ verwendet, ein Titel, der denen ähnlich ist, die zuvor, im späten 18. oder frühen 19. Jahrhundert, von Nyungnä Lama Yeshe Sangpo geprägt wurden.
Fußnoten
1 blo bzang ‘phrin las bstan pa rgya mtsho, TBRC Person RID: P249.
2 Don rdor and bsTan ‘dzin chos grags (1993), S. 939-940.
3 Tibetan Literature: Studies in Genre – 30. Tables of Contents (dKar chag) by Dan Martin.
4TBRC Person RID: P249.
5TBRC Work RID: W4615.
6TBRC Work RID: W4595.
7 Lobsang Tamdin (1975), v. XIV, S. 341-357.
8 Dreyfus (1999), S. 245: „Seine schrittweise Adaption in die Gelug-Tradition zeigt weder eine Beziehung mit Panchen Sönam Dragpa noch mit seiner dritten Inkarnation Dragpa Gyaltsen. Shugden scheint von Gelug-Lamas aufgrund seiner Kraft als weltliche Gottheit angenommen worden zu sein.“ Die vielleicht stärkste Anfechtung dieses Punktes ist Lobsang Tamdins organisierte Sammlung von Ritualen zu Dorje Shugden (be bum), in welcher Biografien über Panchen Sönam Dragpa Reinkarnationslinie und Bittgebete an diese Linie von höchstem Stellenwert und überreichlich vorhanden sind.
9 Dreyfus (1999), S. 244.
