Serkong Dorje Chang
Serkong Dorje Chang (1856-1918)
„Der Haupt-Dharmabeschützer des Eroberers Manjunatha ,,[Je Tsongkhapa], Dorje Shugden …“
Serkong Dorjechang1, der korrekt als Ngawang Tsultrim Donden (ngag dbang tshul khrims don ldan) bekannt ist, war wahrscheinlich einer der größten und berühmtesten Meister um die Wende des 20. Jahrhunderts.
Er wurde 1856 geboren und erhielt den Namen Yeshe Bar. Im Alter von 10 Jahren begann er Studien, indem er sich auf den 81. Ganden Thronhalter (Amtszeit 1879-1884) Ngawang Norbu verließ.2 Er trat dann in das Kolleg Ganden Jangtse ein und studierte die fünf großen, klassischen Texte. Er hörte Unterweisungen über Sutra und Tantra von vielen Meistern, einschließlich Trichen Ngawang Norbu, Yongdzin Lobsang Tenzin, Rongpo Pandita Genden Gyatso und Jangtse Chöje Tenzin Rabgye. Als er 24 Jahre alt war, erhielt er den Grad eines Geshe Lharampa.
Um sein langes Leben zu gewährleisten sowie Erfolg darin, den Lebewesen und der Lehre umfangreich zu nutzen, riet ihm der Ganden Thronhalter Ngawang Norbu wiederholt, dass es notwendig für ihn sei, eine Frau zu nehmen, was er schließlich auch tat. Zu jener Zeit kritisierten ihn viele Leute auf verschiedene Art. Er nahm dies als eine Gelegenheit, rein zu praktizieren, ohne Anhaftung an Reichtum und Besitz, und ging fort an einen einsamen Ort. Nach einigen Jahren zeigte er Anzeichen von Erlangungen.
Im Alter von 40 wurde er nach Bhutan und in den Mon-Distrikt eingeladen. Indem er dorthin reiste, brachte er der Lehre großen Nutzen. In Bhutan diente er als Hauptlama (dbu bla) für den bhutanesischen Herrscher Urgyen Wangchuk (1861-1926 o rgyan dbang phyug), der der Land zuvor nach großen inneren Konflikten geeinigt hatte, und welcher 1907 der erste Monarch von Bhutan wurde. Serkong Dorjechang lebte im Kloster Kurje, welches nach den Körperabdrücken von Guru Rinpoche benannt ist, die er in dieser Gegend 746 hinterließ. Das Kloster liegt in Distrikt Bumthang im Norden Bhutans.
Weiterhin hatte Serkong Dorjechang eine Vision von Zhabdrung Ngawang Namgyal (1594-1651), dem Gründer des modernen Bhutan und einer Inkarnation von Padma Karpo, als er den ’chi med lcags sdong ma’i chos skor empfing, ein Zyklus an Unterweisungen, der über Lebensverlängerung handelt. Ihm wird ein Einweihungstext zugeschrieben, der auf diesen reinen Visionen des langen Lebens basiert (zhabs drung dag snang gyi dbang bskur) und in die Drugpa Kagyü-Tradition aufgenommen wurde3 sowie einem weiteren Zyklus, der auf diesen reinen Visionen basiert (zhabs drung dag snang ma’i skor).4 Alle diese Liturgien sind noch erhalten und wurden vor kurzem im Bhutan veröffentlicht.
Bei seiner Rückkehr nach Tibet gab er viele Dharma-Unterweisungen über Sutra und Tantra. Im Alter von 63 wurde er vom Neunten Panchen Rinpoche Lobsang Thubten Chökyi Nyima (1883-1937)5 gebeten, in das Kloster Tashi Lhunpo zu kommen. Sie übermittelten sich gegenseitig viele Unterweisungen. Weitere geschriebene Werke von ihm bestehen aus einem Dutzend Rituale für Chakrasamvara, insbesondere in der Tradition Luipas der 62 Gottheiten. Er war außerdem der Linienhalter der Gelug-Kalachakra Linie und überlieferte sie an Khangsar Rinpoche.
Eine Bestandsaufnahme von Druckstöcken in Zentraltibet, die während der Regentschaft von sTag-brag Rinpoche durchgeführt wurde, listet auf, dass Trode Khangsar in Lhasa hölzerne Druckstöcke für das ausführliche Erfüllungsritual für den Dharmapala Dorje Shugden (bskang chog rgyas pa), verfasst von Serkong Dorjechang, besitzt.6
Dieses ausführliche Erfüllungsritual wurde auch im Dorje Shugden be bum veröffentlicht. In Anbetracht von Serkong Dorjechangs vielseitigen Qualifikationen, konnte niemand in einer besseren Lage sein, um die Werke von Morchen Dorjechang und Drugpa Kagyü Dre’u Lhas in ein ausführliches Dorje Shugden Kangso zu integrieren. In den Anmerkungen, fast am Ende des Kangso, heißt es: „Bitten an den Beschützer von Jamgon Tsongkhapa, Gyalchen Dorje Shugden Tsel Gewähre Handlungen: Der obere Band [wurde verfasst] vom Herrn der Siddhis Dre’u Lhas pa und der untere Band [wurde verfasst] vom gelehrten und vollendeten Morchen.“ Er stellt fest, dass diese Meister unangezweifelt sind, die Werke alle Qualitäten besitzen und ihre Worte besonders gesegnet sind. Er merkt an, dass dies auf Bitten des Dorje Shugden Orakels geschrieben wurde.
Obwohl das Ritual von Serkong Dorjechang nahezu die vollständigen Verse des zuvor erwähnten Rituals von Morchen Dorjechang und Dre’u Lhas enthält, gibt es eingefügte Verse, und bei einigen ist die Herkunft ausdrücklich zitiert. Serkong Dorjechang bezieht sich auf Dorje Shugden als den Dharmabeschützer des Eroberers Manjunatha (Je Tsongkhapa).7 Es gibt einen modifizierten Vers, dessen Ursprung Sangye Yeshe zugeschrieben wird, in dem es heißt: „Vor dem Herrn der Geheimnisse Duldzin Dragpa Gyaltsen und seiner Ausstrahlung Dorje Shugden verbeuge ich mich respektvoll mit Körper, Rede und Geist.“ Für das kurze Mantra von Dorje Shugden ist der Einweihungstext von Rinchen Wangyal als Quelle genannt.8
Die Verse sind in ihrer Beschreibung von Dorje Shugden als besonderer Beschützer der Gelug sehr spezifisch, insbesondere der mündlichen Überlieferungslinie (snyan rgyud)9 von Jamgon Lama Tsongkhapa, Togden Jampel Gyatso, Dulzin Dragpa Gyaltsen, Ensapa, Panchen Lobsang Chökyi Gyaltsen.“ Auch eine Methode das Migtsema zu rezitieren ist in das Ritual integriert.10 Weiterhin gibt es einen kurzen Darbringungsvers, der vom Dharmabeschützer selbst gesprochen wurde.11 Serkong Dorjechang hat auch diesen Vers geschrieben:12
Machtvolle Ansammlung aller Kraft und Fähigkeiten, in Blau gewandet,
Der die Form eines dregs zeigt, um die Untauglichen zu unterwerfen,
Wundersamer, Schwert schwingender Dorje Shugden und Gefolge,
Ich verbeuge mich respektvoll mit Körper, Rede und Geist.
Die Ehrbezeugungen der ersten Zeile beziehen sich offenkundig auf Vajrapani sowie Dorje Shugden als Vajrapani, der die gleichen Merkmale von Kraft (mthu) und Fähigkeiten (stobs) besitzt. Dieser Vers und die Bezugnahme von Serkong Dorjechang auf Rinchen Wangyal weisen darauf hin, dass er von der Tradition Dorje Shugdens, wie sie am Kloster Sera ausgeübt wurde, die Dorje Shugden als Vajrapani sieht, beeinflusst war.
Auf den letzten Seiten des Kangso befindet sich eine sehr bekannte bsangs oder Duftdarbringung an Dorje Shugden. Die eigentliche Wortbedeutung von bsang ist „reinigen“, ganz ähnlich wie ein Baderitual, aber mit Duft als reinigendem Medium. Selbstverständlich benötigen die Gottheiten selbst keine Reinigung, die Visualisierung der Reinigung wird für das Wohl des Praktizierenden durchgeführt. Wie in der Übersetzung angemerkt, wurde diese Darbringung auch getrennt veröffentlicht.
’Jam mgon rgyal ba’i bstan srung Rdo-rje Shugs-ldan rtsal chen po’i bsangs mchod [dge legs mchog stsol] bzhugs so13
Wenn Du eine bsang Darbringung durchführen möchtest, sammle die Weihrauchsubstanzen und beginne dann damit, die Verse für die Zuflucht und die Erzeugung des Erleuchtungsgeistes drei Mal zu wiederholen.
Hum, ich visualisiere mich selbst als Yidam,
Aus dem Herzen strahlt Licht aus, welches alle Fehler des Weihrauchs reinigt.
Duft mit den fünf besonderen Qualitäten und in Vollendung,
Und nichtverunreinigte Glückseligkeit gewährend erfüllt die Weite des Raumes.
Om Ah Hum (wiederhole es viele Male, um zu segnen)
Hum, Wurzel- und Liniengurus, Drei Juwelen,
Dakas, Dakinis und Dharmabeschützer,
Und insbesondere Dorje Shugden und Dein Gefolge,
Komme durch Deine grenzenlose wundersame Kraft hierher.
Und auch die Gottheiten von Geburt, Kämpfern und Gönnern,
Örtliche Wächter, Geister und Wächter der acht Klassen,
Versammlung von Gästen, die der Darbringung würdig sind, bitte kommt hierher.
Ihr, die Ihr glücklich auf Euren Plätzen verweilt,
Um die von den Yogis anvertrauten Handlungen zu vollenden,
Bitte nehmt diese Wolken von äußeren und inneren Darbringungen, Verpflichtungssubstanzen und Gaben an,
Und vollendet die anvertrauten Tätigkeiten.
Kye!
Agar, Sandelholz, sechs medizinische Zutaten14 und Pflanzen -
Die Wolken des Rauchs aus dem brennenden Weisheitsfeuer
Füllen vollständig den Himmel
Und die Wurzel- und Liniengurus, Yidams und Drei Juwelen,
Die Dakas, Dakinis und Dharmabeschützer werden gereinigt.
Insbesondere der hauptsächliche Dharmabeschützer des Eroberers Manjunatha,
Dorje Shugden und die vier Ausstrahlungen werden gereinigt,
Geburts-, Kriegs- und fünf Gottheiten der Gönner werden gereinigt,
Örtliche Wächter, Geister, Wächter und die acht Klassen werden gereinigt.
Durch die Kraft meiner Darbringung von Weihrauch an die würdigen Gäste
Mögen alle Hindernisse durch Streit und die Samaya gereinigt sein,
Mögen sich Lebensspanne, Verdienste und Kraft vermehren.
Bitte befriede alle Krankheiten der Menschen und Tiere, Hungersnot, Krieg und Streit.
Möge die Ernte gut sein und der Regen zur richtigen Zeit kommen.
Besiege die verschiedenen Klassen der Dämonen der dunklen Seite, vermehre das Positive,
Und vollende spontan und mühelos
Alle Ziele, so wie es erwünscht wurde.
Ki ki so so, Lha gyel lo!
Hum! Erfreut und zufrieden kehren die Gäste zu ihren Bereichen zurück
Und kommen wieder, wenn Bitten für Tätigkeiten vorgebracht werden.
Mögen ich selbst und alle Mutterwesen aufgrund dieser Tugend
Fortwährende Glücksverheißung von Glück und Nutzen erhalten.
Diese bsang Darbringung die Ausgezeichnetheit gewährt, wurde vom Linienhalter der Gelbmützen mit dem Reinkarnationsnamen Ganden Serkong verfasst.
Diese spezifische Ausgabe wurde in Buxa, West Bengal, Indien, im Jahr 1967 veröffentlicht, wo das erste Zentrum für die Bewahrung der Ausbildung von reinkarnierten Lamas eingerichtet wurde, nachdem alles aus Tibet verloren war. Die Veröffentlichung des Rituals wurde von der monatlichen Gyalchen Ritualgruppe von Song Rinpoche erbeten.
Fußnoten
1TBRC Person RID: P243.
2TBRC Person RID: P25.
3TBRC Work RID: W4266.
4TBRC Work RID: W23615.
5TBRC Person RID: P215.
6 Three Karchacks (Gedan sungrab minyam gyunphel series, v. 13), veröffentlicht 1970, New Delhi: Gangs can gyi ljongs su bka’ dang bstan bcos sogs kyi glegs bam spar gzhi ji ltar yod pa rnams nas dkar chag spar thor phyogs tsam du bkod pa phan bde’i pad tshad ’byed pa’i nyin byed.
7 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 511.
8 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 527.
9 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 515.
10 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 526.
11 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 524.
12 Guru Deva Rinpoche (1984), S. 516.
13 Sbag-sa : Nang-bstan Shes-rig ’dzin skyong slob gnyer khang (1967).
14 Bambussaft, Muskat, Ringelblume, Kardamom, Kardamom und Gewürznelke.
