Trehor Khangsar Rinpoche

Trehor Khangsar Rinpoche (1838-1897)

Einzige Zuflucht, Manjushrigarbhas Dharmabeschützer, wundersamer Dorje Shugden Tsel…

Trehor Khangsar, der auch als Lobsang Tsultrim Tenpäi Gyaltsen (blo bzang tshul khrims bstan pa’i rgyal mtshan) bekannt ist, stammt aus einer Region in Nordwest-Kham, namens Trehor. Das Wort Hor bedeutet im Tibetischen Mongolisch, und weist auf die Geschichte der Region zurück. Als der mongolische König Gushri Khan den König von Beri besiegte, siedelten sich Mongolen in dieser Region an und vermischten sich schließlich mit der tibetischen Bevölkerung. Es gab fünf Staaten in dieser Region: Beri, Khangsar, Masur, Trewo und Drango. Die größte Stadt der Gegend war Ganzi [dkar mdzes] und das dortige Kloster wurde 1642 errichtet.

Trehor Khangsar Rinpoche war der Thronhalter des Klosters Ganzi. Diese besondere Inkarnation, Lobsang Tsultrim Tenpäi Gyaltsen, wurde ebenfalls in Ganzi geboren. Er reiste in jungem Alter nach Lhasa und trat in das Kloster Drepung Loseling ein. Dort studierte er die fünf großen klassischen Texte (gzhung chen bka’ pod lnga). Später wurde er der Abt des tantrischen Kollegs Gyumed, zur Zeit des 13. Dalai Lama Thubten Gyatso. Aus diesem Grund wurde er auch Trehor Khangsar Lobsang Tsultrim genannt.1

Einer seiner Hauptschüler war Jampa Chödak, der 90. Ganden Tripa (1920-1926), der auch aus der Region von Trehor stammte.2 Er schrieb eine Biografie (rnam thar) über Trehor Khangsar Rinpoche, die 2003 vom der Drepung Loseling Library Society (Mundgod, N.K., Karnataka) wieder veröffentlicht wurde. Pabongkha Dechen Nyingpo war ebenfalls ein Schüler von Trehor Khangsar Rinpoche und empfing vom ihm Unterweisungen, einschließlich der vollständigen Einweihung, Übertragung und Erläuterung der Naro Dakini (Vajrayogini) in der Tradition von Ngulchu Dharmabhadra.3

Trehor Khangsar Rinpoches Gesammelte Werke, veröffentlicht 1975 von T.G. Dhongthog Rinpoche (New Delhi), bestehen aus vier Bänden. Various People vermerkt die folgenden Beispiele seiner Werke:

  1. Der Wagen, der zur Großen Vereinigung führt: Notizen zur ersten Stufe von Yamantaka
  2. Der goldene Wagen, Notizen zur Erklärung des Lamrim „Der schnelle Pfad“
  3. Der schnelle Pfad zur großen Glückseligkeit: Erklärung des tiefgründigen Pfades der sechs Yogas von Naropa
    Erklärung des Kalachakra-Tantra
  4. Stufen, um in der Dunkelheit zu gehen: Die Praxis der Unterweisungen der tiefgründigen Guru-Puja verstehen

Ein weiterer bemerkenswerter Punkt zu seinen Gesammelten Werken ist, dass es alleine vier Texte gibt, die Kalachakra gewidmet sind. Mindestens einer dieser Texte wurde in modernen Kalachakra-Studien verwendet. Im Buch des 14. Dalai Lama Kalachakra-Tantra: Das Einweihungsritual, werden zwei Haupttexte verwendet, um die Kalachakra-Einweihung zu beschreiben: Khedrup Gelek Pelzangs (1385-1438) Mandala-Ritual des Glorreichen Kalachakra: Erhellung der Gedanken sowie Lobsang Tsultrim Tenpäi Gyaltsens Einweihungsritual von Kalachakra, in einfacher Weise beschrieben. Wie im Buch erklärt wird, wurde der spätere Text geschrieben, um den früheren Text für das Durchführen einer Einweihungszeremonie anzupassen, weshalb er beinhaltet ist, um Khedrupje’s Werk zu unterstützen. Trehor Rinpoches Text beinhaltet außerdem mehr Einzelheiten über die Gottheiten.4

In Trehor Khangsars Gesammelten Werken (Band 4) gibt es drei miteinander verbundene Beschützerrituale, die alle am Garthar Kloster als Dankesdarbringung (btang rag) für Orakel-Anrufungen verfasst wurden: eines für Nechung, eines für Setrap und eines für Dorje Shugden (S. 138-140). Das Dorje Shugden Ritual ist eine kurze Bitte um Handlungen namens rgyal chen rdo rje shugs ldan rtsal gyi ’phrin bcol bstan srung dgyes byed. Ein bemerkenswerter Punkt zu diesem Ritual ist, dass Dorje Shugden auf einem Schneelöwen reitend beschrieben wird, da viele frühe Gelug-Werke dies nicht ausdrücklich erwähnen. Die Einladung beschreibt ihn als den Beschützer Manjushrigarbhas, dies ist der Name von Je Tsongkhapas Inkarnation in Tushita:

In einem Juwelenpalast, aus der Vereinigung von Glückseligkeit und Leerheit entstanden,
In majestätischer Haltung auf einem furchtlosen Löwen,
Einzige Zuflucht, Manjushrigarbhas Dharmabeschützer,
Wundersamer Dorje Shugden Tsel,
Der im Aspekt eines Mönches erscheint,
In safran-farbenen Gewändern,
Bitte komme aus Deinen Vajra-Palästen
Hierher um Deine Handlungen auszuführen.

Dann folgen Bitten, um den Dharma zu beschützen, Praktizierende vor vorzeitigem Tod und Krankheit zu beschützen und Realisationen zu vollenden:

In diesen degenerierten Zeiten
Hast Du versprochen, die Essenz der Lehre der Tathagathas zu beschützen.
Vollende jetzt, was ich Dir anvertraue
Und beschütze mich vor vorzeitigem Tod und Niedergang.

Die essentielle Lehre des mittleren Weges der Gelbmützen,
Entsagung für Samsara, Bodhichitta -
Vollende sie schnell mit großer Kraft,
Und führe Handlungen aus, um diese unglaublichen Realisationen zu vollenden.

Dieses Ritual, Handlungen anzuvertrauen wurde ebenfalls im Kloster Garthar verfasst, von Lobsang Tsultrim Tenpäi Gyaltsen, der bei einer Orakelanrufung sehr glücklich war und diese erhabenen Lobpreisungsverse als Dankesdarbringung schrieb.

Das Kloster Garthar (mgar thar) liegt in Ost-Kham, in einer Region die als Minyag bekannt ist. Der siebte Dalai Lama wurde in Garthar geboren und verbrachte dort einige Zeit im Exil, sowie auch nach seiner Inthronisierung in Lhasa. Im 20. Jahrhundert schrieb Pabongkha Rinpoche ein mittleres Kangso an Dorje Shugden für einen Lama aus diesem Gebiet, wie es im Kolophon vermerkt ist. Aus der Übersetzung von Nebesky-Wojkowitz:5

Dieses Buch, eine Zusammenfassung anderer Werke, wurde vom sogenannten Pabongkha Tulku (der die kleine Pabongkha ri khod, nahe dem Kloster Sera bewohnt), auf Bitten des Garthar Tulku Rinpoche Thubten Jigme Dragpa Namgyal sowie seinem Bruder Dorje Namgyal verfasst. Der Text wurde von dem Schreiber Ngag ldan dpon lha thub bstan gsung rab niedergeschrieben.

Ein erwähnenswertes Detail aus dem Kolophon dieses Rituals ist, dass Pabongkha Rinpoche von einem Lama aus dem Gebiet Kham gebeten wurde, dieses Ritual zu verfassen; es wurde nicht als Ergebnis einer persönlichen Agenda geschrieben. Dreyfus führt die Verbreitung der Dorje Shugden Verehrung in Kham auf Pabongkha Rinpoche zurück.6 Allerdings zeigt das Kolophon von Trehor Khangsars Ritual klar, dass die Praxis in der Region bereits präsent war, bevor Pabongkha Rinpoche dorthin reiste. Dies wird noch weiter untermauert durch einen persönlichen Bericht über einen öffentlichen religiösen Tanz in Verbindung mit Dorje Shugden, der in Minyag am 29. Juli 1924 aufgeführt wurde, wie es in A Tibetan on Tibet bezeugt wird.7 Dieser Bericht, sowie derjenige von Joseph Rock in einem Artikel des National Geographic8 über eine öffentliche Orakelanrufung von Dorje Shugden in der gleichen Region in den späten 1920ern, stellt die Behauptung von Dreyfus in Frage, dass das Orakel nur an festgelegten Orten wie Dromo und Trode Khangsar zugelassen war.9 Ob der 13. Dalai Lama überhaupt jemals Dorje Shugden beschränkt hat, ist sehr fraglich und dieser Behauptung fehlen belegbare Texte. In jedem Fall stammen all diese Ereignisse aus einer Zeit, bevor Pabongkha in diese Region gereist war, während der 13. Dalai Lama der Herrscher von Tibet war, einschließlich dieser Region.

Weiterhin ist dieses besondere Werk im Katalog von Lobsang Tamdin10 aufgeführt, was bedeutet, dass es seinen Weg in die Mongolei gefunden haben muss. Es gibt noch einen weiteren Text, der ebenfalls katalogisiert und diesem Autor zugeschrieben ist, namens rgyal chen rdo rje shugs ldan gyi rten mdos kyi cho ga. Dies ist eine Art von Fadenmandala-Ritual namens mdos, welches spezifisch in Verbindung mit Dorje Shugden verfasst wurde.

Fußnoten

1 Don rdor und bsTan ’dzin chos grags (1993), S. 938-939.
2TBRC Person RID: P250, TBRC Person RID: P5355.
3 dpal ngur smrig gar rol skyabs gcig pha bong kha pa bde chen snying po dpal bzang po’i rnam par thar pa don ldan tsangs pa’i dbyangs snyan zhes bya ba bzhugs so von Denma Lobsang Dorje, Blatt 137b.
4 Kalachakra Tantra: Rite of Initiation von Btan-’dzin-rgya-mtsho, Dalai Lama XIV, S. 131-132.
5 Nebesky-Wojkowitz (1956), S. 584.
6 Dreyfus (1999), S. 253: „Die sektiererischen Implikationen von Pabongkhas Erneuerungsbewegung und die Rolle von Shugden darin spielte, wurden während der 1940er klar, als sich der Shugden-Kult in Kham verbreitete und die Gelug-Tradition wesentlich aggressiver in ihrer Opposition gegen die anderen Schulen wurde.“
7 Sherap, P., & Combe, G. A. (1926). A Tibetan on Tibet; Being the travels and observations of Mr. Paul Sherap (Dorje Zodba) of Tachienlu; with an introductory chapter on Buddhism and a concluding chapter on the devil dance. London: T.F. Unwin. S. 198.
8 Rock, Joseph F. (1935). Sungmas, the Living Oracles of the Tibetan Church, National Geographic, 68:475-486. Joseph Rock, der die tibetische Sprache nicht gut beherrscht, benennt den fraglichen Sungma als Chechin, was höchstwahrscheinlich eine Transkription des Wortes Gyalchen ist. Das wird auch durch eine Bildunterschrift bestätigt: “Ein Tempelbanner ist mit zwei Gottheiten geschmückt“, wobei die Gottheit auf der rechten Seite (die offenkundig Dorje Shugden ist, auf einem Löwen, mit einem Schwert und einem Herzen in der Hand) als Chechin identifiziert wird. “Von letzterem Geist wird gesagt, dass er vom Balung chu dje Besitz ergreift, dem Orakel, welches auf der gegenüberliegenden Seite abgebildet ist.” Balung chu dje bezieht sich hier höchstwahrscheinlich auf Panglung Chöje, der einer der berühmtesten Orakel von Shugden war.
9 Dreyfus (1999), S 244.
10 Lobsang Tamdin (1975), Band X, S. 403.