Vierter Jetsun Dampa

Der Vierte Jetsun Dampa (1775-1813)

Beschützer der Gelehrten von Loseling, einschließlich Dorje Shugden, bitte kommt hierher!“

Wie zuvor erwähnt war Jaya Pandita eine wichtige Persönlichkeit der Khalkha Mongolen, aber einer seiner Zeitgenossen, der seine Bedeutung überragte war sein Lehrer, der erste Jetsun Dampa (1635-1723) blo bzang bstan pa’i rgyal mtshan.1 Der Jetsun Dampa war eine der wichtigsten Inkarnationslinien, deren offizielle Erkennung zur Zeit des 5. Dalai Lama begann, da er von Khedrup Lobsang Tenzin Gyatso (1605-1643)2 als Inkarnation von Taranatha, dem Gründer des Jonangpa-Ordens erkannt wurde. Seine längere Inkarnationslinie beinhaltet Pandita ‘bar ba’i gtso bo und den Mahasiddha Krishnacharya. Der erste Jetsun Dampa war ein Schüler des ersten Panchen Rinpoche Lobsang Chökyi Gyaltsen.3

Der Jetsun Dampa, insbesondere der erste, spielte eine wichtige Rolle in der Etablierung der Gelug-Sekte in der Mongolei. Aus der Biografie von Kanjurwa Khutughtu (der Inneren Mongolei):4

Der erste Jetsundamba khutughtu, traf sich zusammen mit vielen anderen großen Prinzen aus Khalkha mit dem Kaiser K’ang-hsi, um seine Oberhoheit anzuerkennen und seinen Schutz vor ihren Feinden zu erhalten. Als Ergebnis dieses Wendepunktes in der Geschichte unseres Volkes, wurden viele große klösterliche Tempel unter der Schirmherrschaft des Kaisers erbaut und erhielten eine besondere Bestimmung.

Der Jetsun Dampa wird hauptsächlich von den Khalkha Mongolen verehrt, aber seine Bedeutung wird auch von anderen Mongolischen Völkern und regionalen Gruppen anerkannt. Die Biografie von Kanjurwa Khutughtu erklärt weiter: 5

Unser Volk bezieht sich auf den Jetsundampa Khutughtu normalerweise niemals mit diesem Titel. Statt dessen benutzen wir den Begriff Ar Boghda; „ar“ bedeutet „hinter“, das ist die mongolische Entsprechung zu „äußere“, und impliziert „Äußere Mongolei“. „Boghda“ bedeutet „Der Heilige“. Jeder kennt die zwei großen Inkarnationen Tibets, den Dalai Lama und den Panchen Boghda. Wir betrachten den Ar Boghda als die erhabenen Inkarnation der ganzen Mongolei, und tatsächlich war er die erhabene Inkarnation in der gesamten Mongolei, insbesondere der Äußeren Mongolei.

Die vierte Reinkarnation des Jetsun Dampa blo bzang thub bstan dbang phyug (1775-1813)6 ist augenscheinlich der erste Mongole, der Texte zur Verehrung von Dorje Shugden verfasst hat. In einem Geschichtsbuch, welches die Verbreitung des tibetischen Buddhismus in der Mongolei beschreibt, namens Rosenkranz der weißen Lotosblüten, heißt es:7

Er wurde in U geboren, im Holz-Schaf-Jahr des Do (d.h. 13.) Rabjung (d.h. 1775). Er respektierte den Königlichen Vater und Sohn (d.h. den Dalai Lama und Panchen Lama) und andere Weise und Siddhis und hielt sie in höchstem Ansehen. Sein Geist nahm wissensdurstig den Ozean der Sutras, Tantras und anderer Unterweisungen auf. Er schuf viele Bildnisse, Bücher und Stupas, machte reiche Darbringungen und die Tugenden seiner weißen Taten übertrafen alle Beschreibungen. Insbesondere richtete er Hochschulen für Debatte und Meditation ein. Während dem Tag und der Nacht war er niemals von den drei Handlungen des Zuhörens, der Kontemplation und der Meditation getrennt. Kurz gesagt, hielt er alle Vinaya-Gelübde ein, drehte die drei Räder der Unterweisungen und Meditation, öffnete den Ozean der Mandalas und führte somit große Handlungen aus für die immerwährende Verbreitung des fehlerlosen Systems der Riwo Gadenpa [Gelug Sekte]. Im alter von 39, Wasser-Vogel Jahr (d.h.1813), verstarb er friedlich während eines Besuches des Berges mit fünf Gipfeln.

Dieser Zeitrahmen – das Ende des 18. Jahrhunderts – ist auch die Zeit der anfänglichen Einbringung von Dorje Shugden in die Gelugpa Sekte. Wie wir aufzeigen werden, begannen viele wichtige Gelug-Lamas dieser Zeit, verschiedene Dorje Shugden Rituale zu verfassen. Ein einzigartiger Aspekt der Torma-Darbringung des vierten Jetsun Dampa, die nachstehend beschrieben wird, ist die Anspielung auf Shambala, da der Jetsun Dampa als Reinkarnation von Taranatha angesehen wird, einem Kalachakra Adepten der Jonangpa-Sekte aus Tibet. Weiterhin war der vierte Jetsun Dampa einer der wesentlichen Verbreiter des Kalachakra in der Mongolei. Gemäß dem Ethnologen A.M. Pozdneev: 8

Im Jahr 1806 errichtete er einen besonderen Datsang für die Schule des Doinkor [Kalachakra]; dies war die sogenannte Dachin-kalbain-sume, in der auch viele andere khurals auf der Grundlage der Prinzipien des Doinkor von 1807 an ausgeführt wurden …. Weiterhin, da er sich der Aufgabe gewidmet hatte Doinkor zu entwickeln, renovierte der Gegen den Tempel der Dachin-kalbain-Sume, vergoldete sein Dach und errichtete im Hof seinen persönlichen Sitz.

Dies ist eine kurze Zusammenfassung seiner umfassenden Taten. Im Jahr 1808 reiste er zum Kloster Amarbayasgalant. Dann begann er mit der Errichtung zweier Tsanid Tempel in Kure.9 Dorje Shugden ist einer der Hauptbeschützer des Klosters Amarbayasgalant und die Reliquien des vierten Jetsun Dampa wurden hier aufbewahrt.10 Somit arbeitete er mit großer Hingabe daran, Klöster aufzubauen. Die kurze Torma-Darbringung, die nachstehend übersetzt ist, stammt aus einem der Kollegs, die vom vierten Jetsun Dampa gegründet wurden. Sie ist im Katalog der Einleitung von Lobsang Tamdins be bum enthalten.11

OM, Glorreiche Gottheit aus Shambala,
Herrscher der drei Welten mit einem roten Gesicht,12
Beschützer der Gelehrten von Loseling,
Einschließlich Dorje Shugden, bitte kommt hierher!

Erfreuende, Harmonie gewährende Samaya Substanzen,
Besondere Paläste, rote und weiße Tormas,
Ein Berg von Fleisch und Knochen, weit wie ein Ozean,
Einschließlich aller Objekte des Begehrens bringe ich Dir dar.

Bitte nimm es mit Freuden an
Und vermehre Studium, Zuhören und Meditation
sowie die Tugenden des Lehrens und der Praxis.
Lass günstige Bedingungen anwachsen und beseitige ungünstige Bedingungen,
Unterstütze uns auf dem Pfad der Weisheit und des Mitgefühls.
Für die Mönche, welche die drei Schulungen praktizieren,
Möge alles glückverheißend sein!

Dieses wurde von Thubten Wangchug Jigme Gyatso verfasst, zur Zeit der Gründung des Kollegs. Es schien, als würde ein Vers fehlen, und später im weiblichen Feuer-Vogel Jahr [wahrscheinlich 1861], als die Liturgien des Kollegs neu zusammengestellt wurden, ergänzte der gütige Meister Yongdzin Noyon Han, der Manjugosha genannt wurde, den Vers „Vermehre die Tugenden des Lehrens und der Praxis“.

Wie die meisten anderen kurzen Verehrungen von Shugden, gibt es hier keine Referenz zu Panchen Sönam Dragpa, außer in indirekter Form durch den Bezug auf Drepung Loseling. Diese Verbindung wurde jedoch in der Mongolei kurze Zeit später offenkundig und niedergeschrieben.

Fußnoten

1TBRC Person RID: P5779
2 E. Gene Smith ; edited by Kurtis R. Schaeffer. (2001). Among Tibetan Texts: history and literature of the Himalayan Plateau. Boston: Wisdom Publications, p. 122.
3 E. Gene Smith ; edited by Kurtis R. Schaeffer. (2001). Among Tibetan Texts: history and literature of the Himalayan Plateau. Boston: Wisdom Publications, p. 122.
4 Hyer, Paul and Sechin Jagchid. (1983). Mongolian Living Buddha. Albany: State University of New York Press, p. 55.
5 Hyer, Paul and Sechin Jagchid. (1983). Mongolian Living Buddha. Albany: State University of New York Press, p. 160.
6TBRC Person RID: P5778
7 Dharmatala (1987). Rosary of white lotuses: Being the clear account of how the precious teaching of Buddha appeared and spread in the great Hor country. Wiesbaden: O. Harrassowitz, pp. 345-346.
8 Pozdneev (1971-1977), p. 356.
9 Pozdneev (1971-1977), p. 356.
10 Don Croner’s World Wide Wanders Part 2: Mongolia, Selenge Aimag, Amarbayasgalant: “Formerly there were three temples here dedicated to Zanabazar, Dorje Shugden, and the Eighth Bogd Gegen. These were destroyed in the late 1930s.”
11 ’Jam mgon rgyal ba’i bstan srung rdo rje shugs ldan gyi ’phrin bcol phyogs bsdus bzhugs so (1992), pp. 30-31.
12 Dies bezieht sich auf mdung dmar can: Roter Vaishravana oder Jamsran.