Trode Khangsar: Das Beschützerhaus

Das Trode Khangsar tsen khang selbst ist ein zweistöckiges Bauwerk. Zuvor gab es auch noch eine dritte Etage, welche das Dorje Shugden Orakel beherbergte, aber es wurde während der Kulturrevolution entfernt (TOL, 196). Die erste Etage befindet sich etwas unterhalb des Erdbodens und wird nicht für religiöse Zwecke genutzt. An der Südseite führen Stufen zum Vordereingang, welcher in  eine Säulenhalle eingebettet ist. Die Wände dieser Säulenhalle sind mit den Beschützern der vier Richtungen bemalt (rgyal chen sde bzhi), wie es bei den meisten Tempeln und Klöstern üblich ist.

Der vordere Eingang führt direkt in die Haupthalle des Gebäudes, mit acht Säulen und ist ca. zehn Meter breit. An den Ost- und Westseiten der Haupthalle befinden sich Wohnräume für Mönche. Hinter der Haupthalle, an der nördlichen Seite des Gebäudes hervorspringend gibt es einen Raum (lcog)23, welcher von den Ansässigen für Rituale benutzt wird. Dieser Raum hat ein Oberlicht und schwarz bemalte Wände, mit zahlreichen Gemälden von verschiedenen Beschützern. An der Nordseite des Raumes sind Statuen von Je Tsongkhapa, Gründer der Gelug Sekte und seinen Hauptschülern Gyaltsab Je und Khedrup Je.

Die Wandmalereien der Haupthalle sind historisch von großer Bedeutung. In Bezug auf Dorje Shugden gibt es Wandbilder seiner Jataka (‘khrung rabs) oder Geschichten über seine vergangenen Leben. Innerhalb dieser findet sich auch ein Wandbild welches seine vergangenen Leben als frühere Meister darstellt:

  1. Manjushri während des Lebens von Buddha,
  2. Birwawa als einer der Mahasiddhas im mittelalterlichen Indien,
  3. Khache Panchen Shakya Shri als ein Gelehrter aus Kaschmir, der nach Tibet reiste und einige wichtige Abstammungslinien verbreitete,
  4. Sakya Pandita und Buton als frühe tibetische Übersetzer und Gelehrte,
  5. Panchen Sonam Dragpa, Sonam Yeshe Wangpo, Ngawang Sonam Geleg Pelzang und Tulku Dragpa Gyaltsen als eine Folge von Meistern der Gelug-Tradition, gegründet im 14.Jahrhundert.

In „The Temples of Lhasa“ („Die Tempel von Lhasa“), finden sich auch Fotographien von Wandgemälden über Manjushri als Jampel Mawa’i Senge (TOL, 198) und Avalokiteshvara als Gelber Amoghapasa 24(TOL, 194). Andere Wandmalereien weisen wichtige Geschichten auf, wie Dorje Shugden dazu gedrängt wurde, ein Beschützer zu werden in der Gegenwart von Je Tsongkhapa, als sein Schüler Dülzin Dragpa Gyaltsen. Im Einzelnen zeigen sie  Je Tsongkhapa umgeben von anderen Mönchen und den Beschützer Nechung, der sich  auf einem Schneelöwen reitend und Pfeil und Bogen haltend nähert. Nechung in der Gestalt eines Jungen unterbrach die Belehrungen drei Mal, als Dülzin Dragpa Gyaltsen ihm befahl, damit aufzuhören. Dann wird gezeigt, wie Dülzin Dragpa Gyaltsen sich erhebt und an dieser Stelle verspricht er Nechung, Je Tsongkhapas Tradition in der Zukunft zu beschützen. Als nächstes wird Je Tsongkhapa als erfreut dargestellt, und er bietet Dülzin Dragpa Gyaltsen eine mit Nektar gefüllte Schädelschale dar.25

Es gibt verschiedene, bekannte Manifestationen von Dorje Shugden, beispielsweise eine ein schwarzes Pferd reitend, welche in der Sakya-Tradition populär ist. Die Form von ihm, welche einen Schneelöwen reitet und ein Schwert hält ist die am meist verbreitete in der Gelug-Tradition, beginnend ungefähr im 19.Jahrhundert. Ein interessanter Unterschied in der Ikonographie von mehreren Statuen und Gemälden von Dorje Shugden im Trode Khangsar ist, daß er anstelle eines Schwertes eine Keule hält. Die Wichtigkeit dieses speziellen ikonographischen Details is due  mit der Manifestation die der Fünfte Dalai Lama bezeugte, welches offensichtlich ist im Lobpreis und Bekenntnis, das von ihm verfasst wurde:

Roben eines Mönches, den Scheitel geschmückt mit einem Hut aus Rhinozerosleder,

Die Rechte Hand eine verzierte Keule haltend, die Linke hält ein menschliches Herz,

Verschiedene Reittiere, wie Nagas und Garudas reitend,

Der die Mamos der Leichenäcker unterwirft, Lobpreis sei Dir!

Fußnoten:

23Das Wort „lcog“ bezieht sich auf die Form eines Gebäudes, welches quadratisch ist, dessen Wände jedoch nach Innen zur Decke hin leicht konisch zulaufen. Diese Form des Raumes wird üblicherweise für Beschützer benutzt und es hat sich so ergeben, daß er austauschbar als der Beschützerraum genutzt wird.

24Es gibt eine Tradition des Gelben Amoghapasa von Kashmir Pandit Shakya Shri (kha che paN chen), einem früheren Leben von Tulku Dragpa Gyaltsen, welches wohl der Grund dafür ist, daß es dieses Wandgemälde gibt.

25Quelle: 2/2008 Interview mit einer anonym gehaltenen Person, die sich in den 1940er Jahren, vor der chinesischen Invasion, benachbart zu Trijang Labrang aufgehalten hatte.